Weltpolitik

Rebellen verkünden neue Waffenruhe für Aleppo

In der umkämpften syrischen Stadt Aleppo soll in den nächsten Stunden Rebellen zufolge eine neuen Waffenruhe in Kraft treten. Am Donnerstag früh sollten die ersten Verletzten und Zivilisten aus den Rebellengebieten Aleppos gebracht werden, erklärte der Sprecher der radikal-islamischen Miliz Ahrar al-Sham, Ahmed Kara Ali. Ein Sprecher der Rebellengruppe Nur al-Din al-Sinki bestätigte die Meldung.

Eine der Regierung in Damaskus nahestehende Quelle dementierte die Angaben jedoch. Es gebe keine Einigung, die Verhandlungen liefen noch, hieß es. Aktivsten berichteten ebenfalls von neuen Luftangriffen. Auch die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete heftigen Beschuss der verbliebenen Rebellengebiete Aleppos. Aus regierungsnahen Kreisen hieß es, die Armee und verbündete Milizen hätten den bisher heftigsten Angriff auf die oppositionellen Milizen begonnen.

Ein am Dienstag ausgehandeltes Abkommen über den Abzug von Kämpfern und Zivilisten aus Aleppos Rebellengebieten war am Mittwoch zunächst nicht umgesetzt worden. Russland als Unterstützer der Regierung beschuldigte die Regimegegner, sich nicht an die Einigung gehalten und die Waffenruhe gebrochen zu haben.

Die Rebellen wiederum warfen mit der Regierung verbündeten iranischen Milizen vor, sie hätten das Abkommen mit neuen Angriffen zum Scheitern gebracht. Demnach soll der Iran gefordert haben, dass auch die Blockade der vor allem von Schiiten bewohnten Orte Fuaa und Kafraya im Nordwesten Syriens aufgehoben wird. Diese werden seit langem von Rebellen belagert

In den vergangenen Tagen war es den syrischen Regierungstruppen mit Unterstützung der russischen Luftwaffe sowie schiitischer Milizen unter anderem aus dem Iran gelungen, den seit 2012 von den Rebellen gehaltenen Ostteil Aleppos fast vollständig zurückzuerobern.

Nach der nahezu vollständigen Rückeroberung von Aleppo durch die syrischen Regierungstruppen wollen Russland, die Türkei und der Iran unterdessen in knapp zwei Wochen über eine Lösung des Syrien-Konflikts beraten. Das Treffen werde am 27. Dezember in Moskau stattfinden, sagte der türkische Außenminister Mevlut Cavusoglu am Mittwoch dem Fernsehsender TGRT Haber.

Die türkische Regierung bemühe sich schon länger um einen landesweiten Waffenstillstand und den Beginn von Verhandlungen über eine politische Lösung, sagte Cavusoglu. "Aus diesem Grund" werde die Türkei auch an dem Dreier-Treffen zu Syrien in Moskau teilnehmen.

Die Türkei, Russland und der Iran unterstützen im Syrien-Konflikt entgegengesetzte Seiten: Russland und der Iran sind die wichtigsten Verbündeten von Staatschef Bashar al-Assad und unterstützen die Regierungstruppen auch militärisch. Die Türkei hilft in Syrien dagegen oppositionellen Kräften im Kampf gegen Jihadisten. Das türkische Militär geht in Syrien zudem gegen kurdische Milizen vor, um deren Vormarsch dort zu stoppen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan telefonierte am Mittwochabend mit seinem russischen Kollegen Wladimir Putin, um den vereinbarten Abzug von Zivilisten und Rebellen aus Aleppo doch noch zu ermöglichen. Beide Präsidenten hätten betont, dass die vereinbarte Waffenruhe umgesetzt und Verstöße dagegen gestoppt werden müssten, verlautete aus Erdogans Umfeld. Sie seien zudem einig, dass die Evakuierung von Zivilisten und Rebellen über sichere Fluchtkorridore "so bald wie möglich" beginnen müsse.

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

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