Weltpolitik

Roms Bürgermeisterin Raggi acht Stunden lang vernommen

Roms Bürgermeisterin Virginia Raggi verteidigt sich gegen die Vorwürfe des Amtsmissbrauchs und der Falschaussage. Acht Stunden lang wurde die Stadtchefin der europakritischen Protestbewegung Fünf Sterne von den Staatsanwälten einvernommen. "Ich habe auf alle Fragen geantwortet", sagte die 38-Jährige am Donnerstagabend nach Ende der Vernehmungen.

Raggi stark unter Druck.  SN/APA (Archiv/AFP)/ANDREAS SOLARO
Raggi stark unter Druck.

Das Treffen fand nicht im römischen Justizpalast, sondern an einem geheimen Ort statt. Raggi soll Renato Marra, dem Bruder des seit Dezember inhaftierten Personalchefs der Gemeinde Rom, Raffaele Marra, einen Job als Chef des Tourismussektors beschafft und vor der Antikorruptionsbehörde falsche Angaben zu diesem Fall gemacht haben.

Das Wochenmagazin "L'Espresso" sorgte unterdessen für einen weiteren Eklat rund um die Bürgermeisterin. Salvatore Romeo, Vertrauensmann der Stadtchefin und von August bis Dezember ihr Kabinettschef, soll im Jänner 2016 Raggi als Nutznießer einer Lebensversicherung erklärt haben, die er mit einer Versicherungsgesellschaft abgeschlossen hatte. Nach ihrer Wahl zur Bürgermeisterin hatte Raggi Romeos Gehalt verdreifacht und sich damit viel Kritik zugezogen.

Die römischen Staatsanwälte ermitteln schon seit Monaten im Fall Romeo. Der Fünf-Sterne-Politiker Romeo war nach der Festnahme Raffaele Marras im vergangenen Dezember zurückgetreten. Romeo soll laut den Staatsanwälten mehrere Lebensversicherungen zugunsten von Fünf-Sterne-Aktivisten abgeschlossen haben. Die Ermittler nahmen seine Bankkonten unter die Lupe. Die Enthüllungen drohen dem bereits stark angekratzten Image Raggis zu schaden. Raggi dementierte, von der Lebensversicherung gewusst zu haben.

Der Fall trifft die Fünf-Sterne-Bewegung um den Starkomiker Beppe Grillo, die sich Ehrlichkeit und Transparenz in der Politik auf die Fahne geschrieben hat, schwer. Die Partei verlangt von ihren Mitgliedern, dass sie politische Ämter niederlegen, wenn die Justiz gegen sie ermittelt. Noch unklar ist, ob die im Juni gewählte Raggi das Handtuch werfen wird, was die Gemeinde Rom wieder in eine Krise stürzen würde.

Quelle: APA

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