Weltpolitik

Routen zu "sperren" ist laut Migrationsexpertin nutzlos

Die Flüchtlingspolitik der EU-Staaten sei von Kurzsichtigkeit und Populismus geprägt. Zu diesem Urteil kommt die Migrationsexpertin Melita Sunjic in einem Interview mit dem "Kurier". "Man kann nicht einfach sagen: 'Wir sperren die Routen.' Die kommen trotzdem", sagte die langjährige UNHCR-Mitarbeitern. Wichtig wäre es hingegen, das Schlepperwesen finanziell auszutrocknen.

"Niemand kann mir einreden, dass es nicht möglich ist, die Geldflüsse zu stoppen", betonte Sunjic. Man kenne die Schlepper, die zum Teil auch auf Facebook präsent seien. "Das ist nicht alles geheim. Die Kunden müssen sie ja finden." Früher seien die Angebote "sehr unprofessionell" gewesen, mit der restriktiveren Politik in Europa habe ein Wandel hin zur "voll entwickelten, international organisierten Kriminalität" stattgefunden. Die Auswirkung davon sei, dass das Schleppergeschäft für Flüchtende "teurer und gefährlicher" geworden sei.

Auf der Ebene der Einwanderungspolitik vermisse sie einen "legalen Immigrationsmechanismus", sagte Sunjic. "In Afrika ist es durchaus üblich, dass man mal ein paar Jahre Geld verdienen und wieder zurückgehen will", erklärte sie. Das sei aber in den derzeitigen Strukturen nicht möglich, die Menschen würden wegen fehlender Alternativen "in den Asylkanal gedrängt", der dadurch überlastet werde.

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