Weltpolitik

"Salzburg braucht einen Mateschitz für Kultur"

Nach der Krise müssen wir der Kulturszene schnell wieder auf die Sprünge helfen, findet der Zukunftsforscher Horst Opaschowski. Dafür brauche es Mäzene.

Zukunftsforscher Horst Opaschowski. SN/privat
Zukunftsforscher Horst Opaschowski.

Was wird sich durch die Erfahrungen in der Coronakrise in unserer Gesellschaft ändern? Und werden diese Änderungen von Dauer sein? Der Zukunftsforscher Horst Opaschowski gibt Antworten.

Wird sich die Gesellschaft durch die Erfahrung starker Einschränkungen in der Coronakrise verändern? Horst Opaschowski: Corona verändert uns für lange Zeit. Erstmals seit der Nachkriegszeit machen wir jetzt wieder die Erfahrung des Aufeinander-Angewiesen-Seins. Von der Anspruchshaltung insbesondere an den Staat müssen wir uns verabschieden.

Was bedeutet das für den Umgang miteinander? Für andere da sein wird genauso wichtig wie persönlich glücklich sein. Das Wir-Gefühl wird wiederentdeckt. Was den Umgang mit den Älteren betrifft, so wird es eine neue Solidarität der Generationen geben.

Wird sich im politischen Betrieb etwas ändern? Es wird mehr Volksabstimmungen geben. Initiativen werden Institutionen verdrängen. Die Bürger wollen wieder mehr Macht bei politischen Entscheidungen haben. Man kann sie nicht im Notfall vergattern und dann im alten Stil weitermachen.

Wenn die Corona-Krise vorbei ist, wird dann alles wieder wie vorher sein? Auf lange Sicht ja. Krisenerfahrungen werden Zug um Zug verdrängt, um leben und überleben zu können. Aber die nächste Generation, die Post-Corona-Generation, wird den Reset-Knopf drücken und wieder voll durchstarten.

Welche Folgen wird Corona für unser Gesundheitssystem haben? Gesundheit bekommt fast Religionscharakter. Das Gesundheitssystem und das Gesundheitswesen werden beinahe die Form einer Kirche annehmen. Es wird sich die Erkenntnis durchsetzen, dass ohne Gesundheit alles nichts mehr wert ist.

Wird sich unsere Haltung zu Umweltfragen ändern? Das Umweltproblem wird viel emotionalisierter angegangen. Insbesondere die "Fridays for Future"-Generation macht die Umweltfrage auf Dauer zur Herzenssache. Sie appelliert nicht mehr nur an Einsicht und Vernunft. Gebote und Verbote werden seltener, weil dann auch die Eltern- und Großelterngeneration als Gesinnungspartner gewonnen werden.

Werden Fußball und Kultur irgendwann einfach wieder hochgefahren? Fußball in allen Ehren. Aber Kultur ist einfach wichtiger. Kultur ist die Hefe im Teig und nicht das Sahnehäubchen. Wir brauchen einen Kulturpush nach der Krise. Wir brauchen Mäzene, die der Kulturszene wieder auf die Sprünge helfen. Salzburg braucht einen Dietrich Mateschitz auch für die Kultur.

Auf wie viel Wohlstand müssen wir verzichten? Die Krise verändert unsere Prioritäten. Persönliches Wohlergehen wird genauso wichtig wie materieller Wohlstand. Wohlstand wird nach der Krise neu definiert. Neu hinzu kommen zwei Wohlstandsfaktoren: Erstens Zeitwohlstand und zweitens Beziehungsreichtum. Beides kann man nicht einfach kaufen.

Der Zukunftswissenschafter Horst Opaschowski hat 2014 zusammen mit seiner Tochter Irina Pilawa das Opaschowski Institut für Zukunftsforschung/O.I.Z in Hamburg gegründet. Von 1975 bis 2006 war er Professor für Erziehungswissenschaft an der Universität Hamburg. Danach leitete er die BAT-Stiftung für Zukunftsfragen und arbeitete zudem als Berater für Politik, unter anderem für die Bundeskanzler Willy Brandt, Helmut Kohl und Angela Merkel, und für die Wirtschaft.

Aufgerufen am 02.12.2020 um 07:50 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/salzburg-braucht-einen-mateschitz-fuer-kultur-86899135

Kommentare

Schlagzeilen