Weltpolitik

Schallenberg: Indien muss zu Ukraine-Krieg Position beziehen

Außenminister Alexander Schallenberg hat am Sonntag in Neu Delhi eine Stellungnahme Indiens zum russischen Angriff auf die Ukraine eingefordert. "Auch Indien wird irgendwann Position beziehen müssen", sagte der ÖVP-Minister am Sonntag dem ORF-Radio anlässlich eines Besuchs in Neu Delhi, wo er auch mit Außenminister Subrahmanyam Jaishankar zusammentraf. "Es geht ja letztlich um einen Angriff auf das internationale Sicherheitssystem und das kann niemanden indifferent lassen."

Außenminister Schallenberg bei indischem Amtskollen Jaishankar SN/APA/BMEIA/MICHAEL GRUBER
Außenminister Schallenberg bei indischem Amtskollen Jaishankar

Indien, das wirtschaftlich mit Russland eng verflochten ist, hatte sich wie Pakistan - wo Schallenberg in den vergangenen Tagen mit der politischen Führung gesprochen hatte - Anfang März in der UNO-Vollversammlung der Stimme enthalten, als eine Resolution zur Verurteilung des russischen Vorgehens gegen die Ukraine mit überwältigender Mehrheit angenommen wurde.

Bezüglich dieses Abstimmungsverhaltens der beiden südasiatischen Länder meinte Schallenberg, es gehe nun wohl auch darum, "Überzeugungsarbeit zu leisten", dass der Ukraine-Krieg nicht auf Europa beschränkt sei. "Die Schockwellen des Krieges werden in der ganzen Welt spürbar sein, sind es ja bereits schon. Denken wir nur an Weizenexporte aus der Ukraine. Das betrifft auch Indien." Das Wort "Druck" wolle er in diesem Zusammenhang aber "nicht verwenden", sagte Schallenberg laut Außenministerium (BMEIA) in dem Ö1-Interview.

Generell sei Indien mit fast 1,4 Milliarden Einwohnern "ein Schlüsselland in einer sehr wichtigen geopolitischen Region in Südasien", betonte Schallenberg. "Wir reden hier vom indopazifischen Raum, von der Konfrontation mit China." Auf dem bilateralen Weg gehe es ihm vor allem darum, Österreich "stärker auf die politische und wirtschaftspolitische Landkarte in Indien" zu setzen. "Das ist ein Kontinent, ein Subkontinent mit über einer Milliarde Einwohnern, hier gibt es Riesenpotenzial für österreichische Unternehmen, denken wir an die grüne Technologie, Umwelttechnologie, Wasserkraft und anderes."

Der 1969 in der Schweiz geborene Diplomatensohn ist selbst teils in Indien aufgewachsen, wo sein Vater Wolfgang Schallenberg Botschafter war. Daher konnte der 52-Jährige dem BMEIA zufolge gegenüber dem ORF-Radio eine fast persönliche Bilanz ziehen: "Ich glaube, Indien hat in den letzten Jahren, Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht und ist ein Land voller Potenzial, voller Möglichkeiten. Es ist noch schwierig auch für österreichische Unternehmen, hier Fuß zu fassen, aber ich glaube, die Mühe lohnt sich."

Indien sei einfach "ein zentraler Faktor in Südasien", ergänzte der Außenminister, der am Montag zum Abschluss seines Aufenthalts in Neu Delhi an einem bilateralen Wirtschaftsforum teilnehmen wird. In Bezug auf den Ukraine-Krieg meinte Schallenberg zudem, dass gerade "die Situation, die wir jetzt erleben, im Osten Österreichs", verlange, "dass wir vielleicht auch neue Horizonte erschließen."

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