Weltpolitik

Schlepper locken Flüchtlinge über Facebook

Das soziale Netzwerk Facebook hat sich seit der Flüchtlingskrise im Vorjahr nach Angaben von Helfern als wichtigstes Werbeinstrument der Schlepper erwiesen. Mit verschiedensten Verkauftstricks locken die Schlepper über Facebook Fluchtwillige aus Syrien und Afghanistan nach Europa, sagten Experten des Flüchtlingshilfswerks UNHCR am Montag in Wien.

Die Menschenschmuggler greifen nach Angaben der Flüchtlingsexperten auf teils haarsträubend falsche Behauptungen zurück, um Menschen zur Flucht zu bewegen. "100-prozentige Anerkennungsquote in Österreich", heißt es etwa im Posting eines Schleppers, das in den vergangenen Monaten über das soziale Netzwerk verbreitet wurde.

UNHCR-Mitarbeiter unter der Leitung der Österreicherin Melita Sunjic durchsuchten in den vergangenen Monaten Hunderte Facebook- und Youtube-Seiten in arabischer Sprache und den afghanischen Idiomen Paschtu und Dari, um das Handeln von Geflüchteten und Fluchtwilligen besser zu verstehen. Dabei stießen sie auf zahllose Angebote von Schleppern, die dort mehr oder weniger ungeniert Passagen in die europäischen Zielländer anbieten.

Die Schlepper greifen den Angaben nach auf Versprechen wie in der Werbeindustrie zurück. "25 Jahre Erfahrung" hieße es etwa auf einer Seite, das Vorgehen sei "100 Prozent legal und leistbar". Einige Schlepper zeigten auf ihrer Seite auch Rezensionen von zufriedenen "Kunden", wie das auf Webseiten von Restaurants üblich ist.

Das Umfeld für Flüchtlinge hat sich indes stark geändert. Seit der Schließung der Westbalkanroute und dem Flüchtlingsabkommen der EU mit der Türkei seien auch die auf Facebook ausgeschriebenen Preise der Schlepper stark angestiegen, heißt es von den UNHCR-Mitarbeitern. Es koste die Flüchtlinge laut den heuer zwischen Jänner und August auf Facebook gefundenen Preisangaben bis zu 9.000 Euro, um auf dem Landweg von der Türkei nach Deutschland oder Großbritannien zu gelangen.

Die Leute folgten dabei Versprechungen von Europa als einem "Kontinent des Wohlstandes", wie es den UNHCR-Angaben nach auf einer Schlepper-Seite heißt. Die Erwartungen vieler Geflüchteter auf ein besseres Leben seien vielfach bitter enttäuscht worden, sagte Sunjic. "Wir müssen den Narrativen der Schlepper etwas entgegensetzen", sagte die frühere Journalistin und nunmehrige Kommunikationsexpertin des UNHCR. Im kommenden Jahr soll nun ein Projekt des Europäischen Asylunterstützungsbüros (EASO) damit beginnen, den Facebook-Aktivitäten von Flüchtenden zu folgen und falschen Behauptungen der Schlepper entgegenzuhalten.

Quelle: APA

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