Weltpolitik

Schlussphase im Völkermord-Prozess gegen Ex-General Mladic

Der seit mehr als vier Jahren laufende Völkermord-Prozess gegen den serbischen Ex-General Ratko Mladic kommt seinem Ende näher. Die Ankläger begannen am Montag vor dem UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag mit ihrem Schlussplädoyer. Mladic sei militärisch hauptverantwortlich für massive Verbrechen, sagte Staatsanwalt Alan Tieger. "Die Beweise sind überwältigend."

Schlussphase im Völkermord-Prozess gegen Ex-General Mladic SN/APA (POOL)/MARTIN MEISSNER
Mladic steht seit vier Jahren vor Gericht.

Der Mladic-Prozes ist der letzte des UNO-Tribunals zu den Verbrechen im Bosnien-Krieg (1992-95), in dessen Verlauf mehr als 100.000 Menschen getötet wurden. Mladic ist wegen des Massenmordes von Srebrenica sowie Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit in insgesamt elf Fällen angeklagt. Dem 74-Jährigen droht eine lebenslange Haftstrafe. Ein Urteil soll im November 2017 verkündet werden.

Im März war der damalige politische Führer der bosnischen Serben, Radovan Karadzic, ein enger Vertrauter von Mladic, des Völkermords in Srebrenica schuldig gesprochen und zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt worden.

Unter Leitung von Mladic überrannten serbische Einheiten 1995 die damalige UNO-Schutzzone Srebrenica überrannt. Danach ermordeten sie rund 8.000 muslimische Männer und Buben. Mladic war nach 16 Jahren auf der Flucht 2011 festgenommen worden.

"Der General führte eine Terrorkampagne gegen die zivile Bevölkerung in Bosnien-Herzegowina", sagte Tieger. Ziel war die sogenannte ethnische Säuberung Bosnien-Herzegowinas, die Entfernung aller Muslime und bosnischer Kroaten.

Ankläger Tieger zeigte Dokumente und Videos und verlas Zeugenaussagen. "Das Leben der Feinde muss unerträglich werden", zitierte er den Angeklagten. Städte wie Srebrenica oder Sarajevo wurden von den Serben massiv unter Beschuss genommen. "Immer wenn ich nach Sarajevo komme, töte ich jemanden", hatte Mladic gesagt. Der Angeklagte, gekleidet in einen hellen Anzug, wandte sich bei der Präsentation ab und sah zur Zuschauertribüne.

Die Anklage will am Mittwoch ihre Strafforderung einbringen. Ab Freitag haben die Verteidiger das Wort. Sie wollen deutlich machen, dass die Serben sich nur verteidigt hätten. Mladic war nach ihrer Darstellung nur ein untergeordneter Offizier ohne Befehlsgewalt.

Quelle: Apa/Dpa

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