Weltpolitik

Seligsprechungsprozess für von IS getöteten Priester

Für den im Juli von Islamisten auf bestialische Weise ermordeten französischen Priester Jacques Hamel wird ein Seligsprechungsverfahren eröffnet. Das kündigte Rouens Erzbischof Dominique Lebrun laut Kathpress am Sonntag an. Papst Franziskus habe die Wartefrist von fünf Jahren nach dem Tod einer Person für den Beginn des Verfahrens aufgehoben.

Seligsprechungsprozess für von IS getöteten Priester SN/APA (AFP)/LUCA ZENNARO
Papst Franziskus hob die Wartefrist von fünf Jahren auf.

Papst Franziskus bezeichnete den Geistlichen in einer Gedenkmesse im Vatikan am 14. September als Märtyrer, der "schon selig" sei. Lebrun äußerte sich nach einer Messe in der Kirche von Saint-Etienne-du-Rouvray am Sonntag. Dort hatten zwei Männer dem 85-jährigen Geistlichen am 26. Juli während einer Messe den Hals durchgeschnitten.

Bischof Lebrun vollzog einen Sühneritus in der Kirche und feierte die erste Messe seit der Bluttat. Die Zeitung "Le Figaro" sprach von einer "Zeremonie voller Emotionen und Symbole", zu der eine Prozession zur Kirche gehörte. Erzbischof Lebrun hatte bereits zuvor dem italienischen bischöflichen Pressedienst SIR gesagt, die Mörder Hamels hätten "einen Priester töten wollen und einen Märtyrer geschaffen".

Damit eine verstorbene Person in katholischen Kirchen offiziell als Seliger oder Heiliger verehrt werden darf, ist üblicherweise eine kirchenamtliches Prüfverfahren nötig. Dieses wird in zwei Schritten in der betreffenden Diözese und in Rom durchgeführt. Für eine Seligsprechung ist neben dem Nachweis eines "heroischen Tugendgrads" auch der Nachweis eines Wunders nötig, das auf Fürbitte des Seligsprechungskandidaten gewirkt wurde. Dieses Erfordernis entfällt bei Märtyrern.

Im Fall von Mutter Teresa von Kalkutta (1910-1997) rückte Papst Johannes Paul II. ebenfalls von der Fünf-Jahres-Frist ab und erlaubte eine Aufnahme des Verfahrens zwei Jahre nach ihrem Tod. Das Seligsprechungsverfahren für ihn selbst begann mit Erlaubnis Benedikts XVI. sogar schon drei Monate nach seinem Tod im April 2005.

Papst Franziskus hat sich unterdessen auch zu anderen Themen geäußert. Homosexuelle dürfen nach Ansicht des Pontifexes nicht aus der katholischen Kirche ausgegrenzt werden. Lesben und Schwule sollten vielmehr von den Gemeinden integriert, begleitet und "näher zu Gott" geführt werden, sagte das Kirchenoberhaupt am Sonntag an Bord seines Flugzeugs auf der Rückreise nach Rom von einer Reise in den Kaukasus. "Genau das würde Jesus heutzutage tun", sagte er.

Er selbst habe während seiner gesamten Laufbahn als Geistlicher Homosexuellen oft die Hand gereicht und sogar einen Transsexuellen aus Spanien mit seiner Partnerin zu einer Audienz im Vatikan empfangen. Zugleich betonte er, dass Homosexualität aus katholischer Sicht "keinen Grund zum Jubeln" darstelle. "Sünde ist Sünde", sagte er. Bereits Ende Juni hatte der Papst gesagt, die Kirche sollte sich bei Homosexuellen, Armen und anderen vernachlässigten Menschen entschuldigen. Er schloss demnach auch vergewaltigte Frauen und ausgebeutete Kinder mit ein.

(Apa/Dpa)

Aufgerufen am 27.05.2018 um 01:23 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/seligsprechungsprozess-fuer-von-is-getoeteten-priester-1011079

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