Weltpolitik

Seoul: Nordkorea feuert mehrere Kurzstreckenprojektile ab

Nordkorea hat am Samstag nach südkoreanischen Angaben mehrere Kurzstreckengeschosse abgefeuert. Der Norden habe "eine Reihe von Kurzstreckenprojektilen von seiner Halbinsel Hodo nahe der Ostküstenstadt Wonsan in nordöstliche Richtung abgefeuert", teilte der südkoreanische Generalstab mit.

Nordkorea demonstriert seine militärische Macht SN/APA (AFP/KCNA via KNS/Archiv)/KC
Nordkorea demonstriert seine militärische Macht

Pjöngjang versucht damit womöglich, in den festgefahrenen Atomverhandlungen mit den USA den Druck zu erhöhen. US-Präsident Donald Trump zeigte sich dennoch optimistisch.

Die Geschosse flogen nach südkoreanischen Angaben 70 bis 200 Kilometer weit und stürzten ins Ostmeer beziehungsweise Japanische Meer. Sie seien zwischen 09.06 Uhr (02.06 Uhr MESZ) und 09.27 Uhr abgefeuert worden. Zunächst hatte der südkoreanische Generalstab von einer "unidentifizierten Kurzstreckenrakete" gesprochen.

Das Blaue Haus, der Präsidentenpalast in Seoul, erklärte, das Abfeuern der Geschosse verstoße gegen ein militärische Abkommen, das die beiden Länder im vergangenen Jahr unterzeichnet hätten. Die Regierung sei "sehr besorgt". Weiter hieß es, Nordkorea solle sich "aktiv" an den Versuchen zur Wiederaufnahme des Dialoges zwischen den beiden Ländern beteiligen.

US-Präsident Donald Trump hingegen zeigte sich trotz des Vorfalls zuversichtlich. Zwar sei "auf dieser sehr interessanten Welt" alles möglich, schrieb er im Kurzbotschaftendienst Twitter. Er glaube aber, dass Kim Jong-un sich des "großen wirtschaftlichen Potenzials" Nordkoreas bewusst sei und dieses nicht beschädigen wolle. Außerdem wisse Kim, dass Trump auf seiner Seite stehe. Es werde zu einer Einigung zwischen den beiden Staaten kommen, sagte der US-Präsident mit Blick auf die zuletzt gescheiterten Gespräche über Nordkoreas Atomwaffenprogramm zu.

Kim hatte sich bei einem Gipfeltreffen mit Trump im vergangenen Jahr in Singapur grundsätzlich auf eine Denuklearisierung der koreanischen Halbinsel verständigt. Konkrete Schritte wurden allerdings nicht vereinbart.

Ihren zweiten Gipfel im Februar in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi brachen Kim und Trump ergebnislos ab. Nordkorea hatte eine Aufhebung der Sanktionen gefordert, über eine Gegenleistung Pjöngjangs wurde aber keine Einigung erzielt.

Der US-Sondergesandte für Nordkorea, Stephen Biegun, wird in der kommenden Woche Tokio und Seoul besuchen. Dort soll er nach Angaben aus Washington über eine "endgültige, komplett überprüfte Denuklearisierung Nordkoreas" sprechen.

Mit den am Samstag abgefeuerten Geschossen verletzt Kim nicht das selbst auferlegte Moratorium. Dieses gelte nur für Interkontinentalraketen, sagte der Nordkorea-Experte Ankit Panda.

Den letzten nordkoreanischen Raketentest hatte es im November 2017 gegeben. Im vergangenen Jahr nahm Nordkorea keinen Raketen- oder Atomtest vor, stattdessen fanden erstmals Gipfeltreffen zwischen Kim und Trump sowie mit Südkoreas Präsident Moon Jae-in statt.

Erst am Freitag hatte Südkoreas Außenminister Kang Kyung Wha von Nordkorea "sichtbare, konkrete und substanzielle" Schritte der Denuklearisierung gefordert, wenn es eine Lockerung der Sanktionen wolle. Zuvor hatte Nordkoreas Vize-Außenminister Choe Son-hui Washington vor einem "unerwünschten Ergebnis" gewarnt, wenn es nicht seine Haltung zu Wirtschaftssanktionen anpasse.

Das international isolierte Nordkorea hat offenbar mit massiven wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen. Laut einem Bericht, den die UN-Organisation für Ernährung und Landwirtschaft (FAO) und das Welternährungsprogramm (WFP) am Freitag in New York vorstellten, hat die Regierung die Lebensmittelrationen für Millionen hilfsbedürftige Einwohner drastisch reduziert. Statt täglich 380 Gramm pro Person gebe es seit Jänner nur noch 300 Gramm.

Unklar war zunächst, um welchen Waffentyp es sich dabei handelte. Vermutet wurde, dass Raketen von einem Mehrfach-Raketenwerfer aus abgeschossen wurden. Zunächst war vom Start einer einzelnen Rakete die Rede gewesen.

Südkorea zeigte sich "sehr besorgt über" den Abschuss der Kurzstreckenraketen. Die Regierung in Seoul forderte Nordkorea am Samstag auf, "die Aktion einzustellen, die die militärischen Spannungen auf der koreanischen Halbinsel verschärft". Sie wies darauf hin, dass die jüngste Aktion Pjöngjangs gegen ein innerkoreanisches Militärabkommen verstoße. "Wir erwarten, dass Nordkorea sich aktiv an den Bemühungen um eine rasche Wiederaufnahme der Gespräche zur Entnuklearisierung beteiligt", sagte eine Sprecherin des Präsidenten.

Die Projektile wurden den südkoreanischen Angaben zufolge im Abstand von etwa 20 Minuten von der Ostküste des Nachbarlandes aus abgeschossen. Sie seien etwa 70 bis 200 Kilometer weit geflogen und dann ins Meer gestürzt. Es seien keine ballistischen Raketen gewesen, zitierte die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap einen Militärvertreter. Tests mit ballistischen Raketen verschiedener Reichweiten sind Nordkorea ebenso verboten wie Atomwaffenversuche.

Ballistische Raketen sind in der Regel Boden-Boden-Raketen, die einen konventionellen, chemischen, biologischen oder atomaren Sprengkopf befördern können. Neue Tests mit solchen Raketen durch Nordkorea könnten als Zeichen offener Herausforderung an US-Präsident Donald Trump gewertet werden.

Der jüngste Waffentest erfolgte etwa eineinhalb Jahre nach dem Start einer Interkontinentalrakete durch Nordkorea, der international als Provokation bewertet worden war. Die kommunistische Führung hatte damals erklärt, mit ihren Raketen das gesamte Festland der USA erreichen zu können. Nordkorea wirft den Vereinigten Staaten eine feindselige Politik vor.

US-Präsident Donald Trump hält trotz des neuerlichen Raketenstarts eine Einigung mit Nordkorea für wahrscheinlich. "Es wird einen Deal geben", schrieb Trump am Samstag auf Twitter. "In dieser interessanten Welt ist alles möglich", schrieb Trump.

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong-un habe das große wirtschaftliche Potenzial Nordkoreas erkannt und er werde nichts tun, um dieses zu stören oder gar zu beenden. "Er weiß auch, dass ich bei ihm bin und er will nicht sein Versprechen an mich brechen", schrieb Trump weiter.

Seit dem gescheiterten Gipfeltreffen zwischen dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un und Trump im Februar in Vietnam hat die Unsicherheit wegen der Lage auf der koreanischen Halbinsel wieder zugenommen. Beide Seiten konnten sich in der zentralen Frage der atomaren Abrüstung Nordkoreas nicht einigen.

"Es scheint offensichtlich, dass Nordkorea wütend ist über den scheinbaren Mangel an Flexibilität in der Position der Trump-Administration zum Abbau von Sanktionen", kommentierte Harry Kazianis vom Institut Center for the National Interest.

Nordkorea hatte in den vergangenen Wochen mehrmals seinen Unmut über die Weigerung der USA bekundet, die Sanktionen zu lockern. Im April erklärte Kims Regierung zudem, nicht länger mit US-Außenminister Mike Pompeo als Verhandlungsführer über ihr Atomprogramm sprechen zu wollen. Sie warf Pompeo vor, die Gespräche zu behindern. Pompeo wies dies zurück.

Die ungewöhnlich offene Kritik am US-Außenminister folgte auf Berichte der nordkoreanischen Staatsmedien, wonach Kim dem Test einer neuartigen taktischen Lenkwaffe beigewohnt habe. Um welchen Waffentyp es sich handelte, blieb unklar. Sowohl der Test als auch die Kritik an Pompeo wurden auch als Versuch gesehen, den Druck auf die USA zu erhöhen.

Quelle: Apa/Ag./Dpa

Aufgerufen am 17.01.2021 um 04:56 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/seoul-nordkorea-feuert-mehrere-kurzstreckenprojektile-ab-69730150

Kommentare

Schlagzeilen