Weltpolitik

Sinn-Fein-Chefin: Wiedervereinigungs-Referendum möglich

Nach ihrem Wahltriumph in Irland hält die Vorsitzende der republikanischen Sinn-Fein-Partei, Mary Lou McDonald, es für denkbar, dass die irische Republik und die britische Provinz Nordirland in wenigen Jahren über eine Wiedervereinigung abstimmen werden. Seit dem Brexit werde die "irische Einheit auf der ganzen Insel auf eine Weise diskutiert, wie ich es noch nicht erlebt habe", sagte McDonald.

McDonald hält ein vereinigtes Irland für möglich SN/APA (AFP)/BEN STANSALL
McDonald hält ein vereinigtes Irland für möglich

Irland und London müssten sich auf die Möglichkeit eines Referendums vorbereiten, sagte sie am Samstag der Londoner Zeitung "The Times". Sie halte fünf Jahre für einen realistischen Zeitraum, doch könnte es auch schon "in drei Jahren geschehen". Großbritanniens Ausstieg aus der EU habe dazu geführt, dass Irland und Nordirland nun die "gemeinsamen Bedürfnisse und die Notwendigkeit, uns zu schützen" deutlicher erkennen würden, sagte McDonald. Dies sei auch eine Frage des Generationenwechsels.

Bei den irischen Parlamentswahlen am 8. Februar hatte Sinn Fein überraschend die etablierten Parteien Fianna Fail und Fine Gael überflügelt, wurde aber aufgrund des komplizierten Wahlsystems nur zweitstärkste Kraft im Parlament in Dublin. McDonald bekräftigte, es habe sich nicht um eine Protestwahl gehandelt: "Ich bin absolut sicher, dass wir gewählt wurden, um an die Regierung zu kommen", sagte sie der "Times".

Die linksgerichtete Partei war der einstige politische Flügel der irischen Untergrundarmee IRA und strebt ein vereintes Irland an. Fine Gael und Fianna Fail, die seit der Unabhängigkeit Irlands fast immer abwechselnd die Regierung stellten oder zusammen regierten, hatten eine Zusammenarbeit mit Sinn Fein vor der Wahl ausgeschlossen. Das Land steht deshalb vor einer schwierigen Regierungsbildung.

Quelle: Apa/Ag.

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