Weltpolitik

Slowenien begräbt Opfer aus kommunistischem Massengrab

Vor sieben Jahren haben die Bilder aus "Sloweniens Srebrenica" die Weltöffentlichkeit schockiert. In einem Bergwerk bei Lasko haben die kommunistischen Machthaber nach dem Zweiten Weltkrieg tausende Menschen verscharrt. Nun sollen sie endlich ihre Ruhe in der Gedenkstätte Dobrava bei Maribor finden. Am Montag wird im Beisein von Präsident Borut Pahor mit der Überführung begonnen.

Bisher wurden aus dem Bergwerk mit dem bezeichnenden Namen "Huda jama" ("Schlimme Grube") rund 800 Opfer exhumiert. Ihre sterblichen Überreste wurden seit dem Fund im Jahr 2009 in einem provisorischen Karner am Ort aufgehoben. Nach Einschätzung der Experten befinden sich in dem 45 Meter tiefen Schacht noch 2.000 bis 2.500 Opfer.

Die bereits exhumierten Opfer werden am 27. Oktober in der Gedenkstätte Dobrava beigesetzt. An der Gedenkfeier werden neben Pahor auch hohe Vertreter der slowenischen katholischen Kirche teilnehmen. Bis Ende nächsten Jahres sollen auch die restlichen Opfer aus den Bergwerk ausgegraben und in Dobrava beerdigt werden. Der Stollen soll zu einem Museum werden.

Bei dem Massengrab in dem Bergwerk dürfte sich um eines der größten in Slowenien entdeckten Massengräbern mit Opfern der kommunistischen Massentötungen unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs handeln.

Die Ermittler hatten ein halbes Jahr gebraucht, um in das 400 Meter im Berg liegende Massengrab vorzustoßen. Als sie im März 2009 noch die letzte von insgesamt elf von den Tätern aufgestellten Sperren durchbrochen haben, machten sie einen schockierenden Fund: Hunderte Leichen waren tief im Inneren des Berges offenbar so gut vor Umwelteinflüssen geschützt gewesen, dass sie in mumifiziertem Zustand aufgefunden wurden.

Nach den ersten Ausgrabungen und Ermittlungen kam es auch wegen Mangels an politischen Willen zum Stillstand bei der Suche nach einer angemessenen Grabstätte. Im Vorjahr konnte trotz ideologischen Differenzen ein Gesetz zur anständigen Bestattung von Opfer der Nachkriegstötungen verabschiedet worden, indem die regierende SMC von Premier Miro Cerar das Gesetzesvorschlag der oppositionellen christdemokratischen NSi unterstützte.

Experten schlugen die Gedenkstätte Dobrava als letzte Ruhestätte vor. Weil sich die Leichen in teilweise mumifizierten Zustand befinden, werden sie beerdigt. Nicht alle zeigten sich jedoch mit der Auswahl des Ortes zufrieden - auch die Kirche bevorzugte zunächst die Gedenkstätte in Teharje bei Celje. In Teharje befand sich nämlich das Lager, in dem sich die Opfer vor ihrer Tötung zuletzt befanden. Schließlich stimmte aber auch die Kirche der Bestattung in Maribor zu.

Insgesamt werden in Slowenien 600 Massengräber vermutet. Die Partisanen hatten nach dem Zweiten Weltkrieg im Schnellverfahren mutmaßliche Kollaborateure mit Nazi-Deutschland, Anhänger des faschistischen kroatischen Ustascha-Regimes und ideologische Gegner umgebracht. Bis heute sind längst nicht alle Massengräber gefunden worden. Im Jahr 2007 war in der Nähe von Marburg beim Autobahnbau ein riesiges Massengrab entdeckt worden, in dem bis zu 15.000 Tote vermutet werden.

Quelle: APA

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