Weltpolitik

SN-Interview: Trump steigert Spannungen am Golf

Der Kurs des US-Präsidenten hat die Saudis ermutigt, den Konflikt mit dem kleinen Katar und dem großen Nachbarn Iran zu verschärfen. Dies analysiert im SN-Interview der deutsche Nahost-Experte Volker Perthes.

 SN/apa

Volker Perthes leitet die renommierte Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, die mit ihrer Expertise dazu beitragen will, weltpolitische Entwicklungen zu verstehen.Wie gefährlich ist die Krise am Persisch-Arabischen Golf? Volker Perthes: Diese Krise um Katar ist ernst, weil sie eines der regionalen Bündnisse, nämlich den Golf kooperationsrat, in seiner Existenz bedroht. Sie ist ernst, weil die Polarisierung zwischen Iran und Saudi-Arabien zunimmt - und dies auch in anderen Teilen des Nahen und Mittleren Ostens spürbar wird, nicht zuletzt in Syrien und Jemen. Aber diese Krise wird meines Erachtens nicht unmittelbar zu gewalt tätigen oder gar kriegerischen Auseinandersetzungen auf der Arabischen Halbinsel führen. Was waren die ausschlaggebenden Gründe für den Krach zwischen Katar und anderen Araberstaaten? Der Auslöser der Krise war wohl die fehlende Bereitschaft Katars, sich in eine saudisch geführte Einheitsfront gegen Iran einzugliedern. Im Hintergrund gab es allerdings seit Langem viel Unmut Saudi-Ara biens, der Vereinigten Arabischen Emirate, auch Ägyptens und zahlreicher westlicher Staaten darüber, dass Katar in anderen arabischen Ländern radikale arabisch-sunnitische Organisationen (wie die Muslimbruderschaft in Ägypten) oder terroristische Organisationen (wie die Al-Nusra-Front in Syrien) unterstützt. Haben die Saudis mit ihrem Kurs gegen Katar und gegen Iran auch die Gunst der Stunde genutzt? Zweifellos hat sich die Führung in Riad durch den Besuch von US-Präsident Donald Trump im Nahen und Mittleren Osten ermutigt gefühlt - vor allem in der Verschärfung des Kurses gegenüber Iran. Das Vorgehen gegen Katar war da gewissermaßen nur Beiwerk. Denn für die Saudis ist der Hauptgegner nicht diese kleine Halbinsel, sondern tatsächlich der große Nachbar Iran. Ist Trumps Kurs in dieser Region eine Umkehrung der Nahost-Politik seines Vorgängers Barack Obama? Trump verändert wichtige Kons tanten der Politik Obamas. Die amerikanische Regierung unter Obama versuchte, den Konflikt mit Iran zu deeskalieren; das ist jetzt nicht mehr der Fall. Die Politik Obamas hat sich zurückgehalten, Saudi-Arabien sehr offensiv mit Waffenhilfe zu unterstützen; das ist unter Trump tatsächlich revidiert worden. Es gibt jetzt eine volle Umarmung Saudi-Arabiens. Hinzu kommt, dass die amerikanische Diplomatie im Syrien-Konflikt kaum noch eine Rolle spielt. Das amerikanische Militär hat in seinem Vorgehen gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) ziemlich freie Hand.Anscheinend läuft Trumps neuer Nahost-Kurs darauf hinaus, Iran zu isolieren. Ist damit auch der "Atomdeal" in Gefahr? Der "Atomdeal" ist - noch - nicht in Gefahr, im Gegenteil. Offenbar hat die Position der europäischen Staaten und möglicherweise auch Russlands und Chinas dazu geführt, dass auch die USA ihren Teil des "Deals" mit Iran einhalten und stillschweigend die Aussetzung der Sanktionen verlängert haben. Auch in Iran gibt es nach der Wiederwahl von Präsident Hassan Rohani sicherlich kein Interesse daran, am "Atomdeal" zu rütteln.

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