Weltpolitik

Staaten wie Dänemark für USA wichtiger als Österreich

Selbst wenn die Chemie zwischen US-Präsident Donald Trump und Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) beim jüngsten Treffen im Weißen Haus gepasst haben sollte, muss sich Österreich in Washington weiter hinter kleineren NATO-Staaten wie Dänemark anstellen. Dies betonte der Experte der einflussreichen konservativen Heritage Foundation, Ted Bromund, im APA-Gespräch.

Es gebe "viele Gebiete", wo die USA und Österreich sicher gute Beziehungen haben, "aber dank der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg werden die Beziehungen nicht so sein wie die Beziehungen zwischen den USA und Dänemark, um ein Land zu nennen", verwies Bromund auf die Neutralität Österreichs und die NATO-Mitgliedschaft des skandinavischen Landes. Auch könne Österreich wegen seiner EU-Mitgliedschaft keine Handelsdeals mit den USA abschließen, und Wählerstimmen brächten Trump und Kurz engere Beziehungen auch nicht. Im Fall Österreichs wäre der Effekt wohl eher negativ, fügte er mit Blick auf die kritische Haltung der österreichischen Öffentlichkeit gegenüber dem US-Präsidenten hinzu.

Bromund bezweifelte auch, dass Kurz - wie von US-Seite offenbar gewünscht - Einfluss auf die europäische Politik nehmen kann. "In meiner Erfahrung hat sich bei Politikern, die behauptet haben, diese Art von Einfluss zu haben, letztlich herausgestellt, dass sie diesen Einfluss nicht haben", verwies Bromund etwa auf den früheren britischen Premier Tony Blair oder den französischen Präsidenten Emmanuel Macron. Der Heritage-Experte räumte aber ein, dass persönliche Beziehungen in der internationalen Politik durchaus bedeutend seien, und verwies diesbezüglich auf das Verhältnis von US-Präsident Ronald Reagan mit der britischen Premierministerin Margaret Thatcher in den 1980er-Jahren.

Kurz und Trump dürften auf persönlicher Ebene "gut miteinander auskommen", sagte Bromund. Der Kanzler stelle nämlich gewisse Dinge dar, "die dem Präsidenten gefallen". Kurz sei "jung", "energiegeladen" und "kein altmodischer Berufspolitiker, der seit 40 Jahren im System ist". "Ich bin mir sicher, dass der Präsident das anziehend findet, weil er sich selbst auch als jemanden von außerhalb des Systems ansieht", erläuterte Bromund. Zudem schätze Trump auch, dass Kurz in einigen Fragen wie dem UNO-Migrationspakt "die gleiche Haltung eingenommen hat". "Und schon allein das Faktum, dass er nicht Kanzlerin Merkel ist, bringt in den Augen Trumps wahrscheinlich auch zehn Pluspunkte", fügte der Experte hinzu.

Quelle: APA

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