Weltpolitik

Staatsanwalt fordert lebenslang für türkischen Mäzen Kavala

Im Prozess gegen den seit mehr als zwei Jahren inhaftierten türkischen Geschäftsmann und Kulturmäzen Osman Kavala hat die Staatsanwaltschaft lebenslange Haft gefordert. Auch zwei seiner Mitangeklagten sollen nach dem Willen der Staatsanwaltschaft wegen "Umsturzversuchs" lebenslang in Haft, wie aus Gerichtsunterlagen vom Donnerstag hervorging.

Der renommierte Unternehmer und Kulturförderer Kavala war im Oktober 2017 festgenommen worden. Erst nach mehr als einem Jahr legte die Staatsanwaltschaft eine Anklageschrift vor. Kavala wird darin zusammen mit 15 weiteren Vertretern der türkischen Zivilgesellschaft vorgeworfen, die regierungskritischen Gezi-Proteste im Sommer 2013 finanziert und organisiert zu haben.

Die Proteste hatten sich im Mai 2013 an Plänen des damaligen Regierungschefs Recep Tayyip Erdogan zur Bebauung des Istanbuler Gezi-Parks entzündet. Nach einem brutalen Polizeieinsatz gegen Umweltschützer weiteten sie sich aufs ganze Land aus. Erst nach Wochen gelang es Erdogan, die Protestbewegung niederzuschlagen. Der heutige Staatspräsident betrachtet sie als Verschwörung zum Sturz seiner Regierung.

Der Prozess gegen Kavala stößt international auf scharfe Kritik. Im Dezember hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte Kavalas sofortige Freilassung gefordert. Die türkischen Richter lehnten eine Freilassung jedoch ab.

Quelle: Apa/Ag.

Aufgerufen am 05.12.2020 um 06:45 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/staatsanwalt-fordert-lebenslang-fuer-tuerkischen-maezen-kavala-83091787

Kommentare

Schlagzeilen