Die schwerste Niederlage des Donald Trump

Der große Deal-Maker ist entzaubert, der Kaiser steht ohne Kleider da. Der Präsident musste vor seiner Gegenspielerin Nancy Pelosi kapitulieren.

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Standpunkt Martin Stricker



Der amerikanische Präsident musste im Streit um die Grenzmauer zu Mexiko klein beigeben.

Noch am Donnerstag fand Donald Trump starke Worte. Es werde keine Einigung mit den Demokraten über den Shutdown geben, wenn er keine "große Zahlung" für seine Grenzmauer zu Mexiko erhalte, so tönte der amerikanische Präsident.

Wenig später kapitulierte er. Angesichts immer tiefer stürzender Umfragewerte für ihn und die Republikaner musste Trump einen demütigenden Rückzug einleiten: Der Shutdown wird beendet, in den nächsten drei Wochen werden beide Parteien versuchen, eine Einigung über die Sicherung der Grenze zu Mexiko zu erzielen. Dass sich Trumps Mauer darunter befindet, das Symbol seines Wahlkampfes und seiner Wählerbasis, gilt als ausgeschlossen.

Diese Einigung mit den Demokraten hätte der Präsident schon vor Beginn des Shutdown haben können.

Nancy Pelosi, Trumps Gegenspielerin auf Seite der Demokraten, hat gewonnen. Es werde keine Geld Trumps Mauer geben, so hatte sie immer wieder betont - und so kam es.

Nun könnte man den Ausgang dieses Kräftemessens als normales politisches Geschäft begreifen, doch das wäre bei weitem zu kurz begriffen. Donalds Trumps sorgfältig gepflegtes Image ist krachend zerborsten. Der Kaiser ist ohne Kleider. Wo ist der grandiose Deal-Maker geblieben, der seine Ziele stets mit einer Mischung aus Schläue, Druck, Improvisation und unaufhaltbarer Macht zu erreichen vermag?

Beinahe kleinlaut twitterte der Präsident am Samstag, er habe den Demokraten "keine Konzessionen" gemacht. Es ist dies eine Sicht der Dinge, die wohl nicht einmal seine glühendsten Fans teilen dürften.

Das katastrophale Ende dieser ersten Auseinandersetzung mit der neuen demokratischen Mehrheit im Repräsentantenhaus und deren Chefin Nancy Pelosi: Das Selbstbild zerborsten, der Ruf beim Kern der Wähler ramponiert, der Nimbus des Siegers dahin, die eigene republikanische Partei erstmals gespalten und in der Bevölkerung so unbeliebt wie nie zuvor.

Und, was wahrscheinlich die noch größere Gefahr für diesen Präsidenten ist: Die FBI-Ermittlungen über den Verdacht der Zusammenarbeit mit Russland während des Wahlkampfs rücken immer näher.

Aufgerufen am 01.12.2020 um 07:03 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/standpunkt-die-schwerste-niederlage-des-donald-trump-64786153

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