Fundamentalisten an der Macht

Religion greift nicht nur in islamischen Ländern nach der Politik.

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Standpunkt Dorina Pascher

Es klingt wie eine Kampfansage, wenn PiS-Chef Jaroslaw Kasczynski an die Bevölkerung appelliert: "Wir müssen die Kirchen verteidigen." Die Aussage überrascht nicht. Der Katholizismus hat in Polen Tradition. Die Kirche hat einen großen Einfluss - nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch in der Politik.

Dieser Einfluss kristallisiert sich in der Verschärfung des Abtreibungsverbotes. Polen hatte bereits eines der restriktivsten Abtreibungsgesetze in der EU. Nun zurrte die Regierung dieses Recht noch enger. Das Verfassungsgericht entschied, dass Schwangerschaftsabbrüche aufgrund schwerer Fehlbildungen des Fötus verfassungswidrig seien. Im schlimmsten Fall wäre eine Frau gezwungen, ein totes Kind zu gebären. Sie wäre nicht nur den physischen Schmerzen einer Geburt, sondern auch längerfristigen, psychischen Belastungen ausgesetzt.

Dies nimmt die vorwiegend männlich dominierte PiS-Truppe billigend hin. Sie regiert nicht nur mit kleinen rechten Splitterparteien - sondern vor allem mit der katholischen Kirche, die in Polen zu einem politischen Akteur herangewachsen ist. Man muss also nicht zu einem muslimischen Gottesstaat Iran blicken, um zu erkennen: Religiöser Fundamentalismus hat in der Politik nichts zu suchen.

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