Kein Bruch mit Merkel

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Standpunkt Helmut Uwer

Das Ergebnis bei der Wahl von Angela Merkels Nachfolger im Amt des Parteichefs war äußerst knapp. Das zeigt, dass die CDU in der Frage der künftigen Ausrichtung gespalten ist. Konservative und Modernisierer halten einander die Waage. Das wird es für die neue Parteivorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer (AKK) nicht einfach machen, hier den richtigen Mittelweg zu finden. Sie muss beide Lager bedienen und beiden gerecht werden. Viel wird davon abhängen, wie die Unterstützer der zwei unterlegenen Kandidaten mit ihrer Niederlage umgehen. Doch die CDU ist keine SPD. Darum sind größere Verwerfungen nicht zu erwarten.

Weit mehr als einen Achtungserfolg hat Gesundheitsminister Jens Spahn erzielt. Mit mehr als 15 Prozent der Stimmen hat er erstaunlich gut abgeschnitten und sich alle Chancen für die Zukunft gesichert. Auch hat er die Delegierten des Parteitags in Hamburg mit einer sehr guten Rede begeistert. Friedrich Merz dagegen blieb hinter seinen rhetorischen Fähigkeiten zurück. Seine Rede war zu sehr auf Ratio und das Aufzeigen von Versäumnissen bedacht. Auf Parteitagen aber wollen die Delegierten emotional angesprochen werden. Und genau das tat AKK. Sie streichelte die Seele der Partei. Dabei konnte sie auf die Erfahrungen aus ihrer "Zuhör-Tour" an der CDU-Basis bauen. Als Generalsekretärin, die im Land herumgereist ist, kennt sie das Innenleben der Partei aus dem Effeff. Merz war zwar die große Hoffnung des konservativen Lagers. Aber den intensiven Kontakt zum Innenleben der Partei hat er seit einem Jahrzehnt nicht mehr.

Mit AKK wird aber nicht einfach der Merkelsche Modernisierungskurs fortgesetzt. Es gibt durchaus Positionen, wo AKK den Konservativen näher steht als Merkel. Aber große Änderungen sind nicht zu erwarten. Vor allen Dingen aber ist davon auszugehen, dass AKK besser mit Merkel zusammenarbeiten wird, als das Merz zugetraut worden ist. Aus diesem Grund wird Merkel jetzt wohl auch noch länger Kanzlerin bleiben. Allerdings hat auch AKK jetzt gezeigt, dass sie einen unbedingten Willen zur Macht hat.

Mit AKK haben sich die Delegierten für die Kandidatin entschieden, die nach allen Umfragen die besten Aussichten bei der nächsten Bundestagswahl verspricht. Damit stehen die Chancen gut, dass Deutschland bald die zweite Bundeskanzlerin in Folge haben wird - nach sieben männlichen Amtsinhabern in Folge.

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