Macrons schöne Reden reichen nicht mehr

Autorenbild
Standpunkt Birgit Holzer

Die Analyse, die Emmanuel Macron über den Zustand seines Landes macht, ist treffend: Frankreich durchlebt eine Vertrauenskrise. Die Menschen erwarten gar nichts mehr und zugleich alles von ihrem Präsidenten - er hat keine einfache Position.

Aber Macron räumte bei seinem TV-Interview richtigerweise auch ein, dass er Fehler gemacht hat. Mit unbedacht hingeworfenen Sätzen und bestimmten Taten vermittelte er den Eindruck, aus Frankreich eine "Start-up-Nation" machen zu wollen, in der die Starken gefördert werden und die Schwächeren auf der Strecke bleiben.
So schaffte er die Reichensteuer ab und beschloss kurz darauf eine - wenn auch nur geringe, aber symbolisch aufgeladene - Kürzung des Wohngeldes für die Ärmsten. Dieser Eindruck täuschte zwar, da Macron die Schulbetreuung in sozialen Brennpunkten verbesserte und die Arbeitslosigkeit senkte. Aber er bemühte sich wenig darum, seine Politik zu erklären.

Es ist nun an Macron, aus diesen Fehlern zu lernen und es nicht nur bei wohlklingenden Versprechen zu belassen. Ein guter Redner war Frankreichs Präsident immer. Aber der Praxistest hat dazu geführt, dass sich viele Menschen enttäuscht von ihm abgewendet haben. Sie wieder zu gewinnen
ist keine leichte Aufgabe. Es kann ihm nur gelingen, wenn den Worten greifbare Taten folgen.

Aufgerufen am 12.08.2020 um 09:35 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/standpunkt-macrons-schoene-reden-reichen-nicht-mehr-90177541

Kommentare

Schlagzeilen