Von wegen politikverdrossen

Sinkende Wahlbeteiligung ist kein Naturgesetz. Das haben die Europawahlen gezeigt.

Autorenbild
Standpunkt Sylvia Wörgetter

Der 26. Mai 2019 war ein guter Tag für Europa, ein sehr guter. Mehr als 50 Prozent Wahlbeteiligung, die höchste seit 20 Jahren: Sage noch einer, die Europawahlen interessierten die Menschen nicht.

Sie interessieren, weil viel auf dem Spiel steht. Viele hatten den Eindruck, Europa stehe am Scheideweg zwischen einem Rückzug in die Nationalstaaten und einer weiteren Vertiefung der Union. Das hat stark mobilisiert - die Anhänger beider Richtungen.

Die Massendemonstrationen junger Menschen für den Klimaschutz haben das Bewusstsein dafür geschaffen, dass einem Problem, das den Planeten bedroht, nur gemeinsam, in einer europäischen Anstrengung begegnet werden kann.

Eine Frage, die immer wieder gestellt wurde in diesem Wahlkampf, lautete: Wie kann sich Europa behaupten in der Welt, wenn es keinen verlässlichen Freund mehr in den USA hat, aber immer stärkeren Druck aus China und Russland spürt?

Die Antwort erfolgte am Sonntag eindrucksvoll: Genau so - durch Europäer, denen die Zukunft ihres Kontinents nicht egal ist.

Aufgerufen am 04.12.2020 um 04:01 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/standpunkt-von-wegen-politikverdrossen-70900906

Kommentare

Schlagzeilen