Weltpolitik

Stille Trauer um früheren israelischen Ex-Präsidenten Peres

In Jerusalem haben am Donnerstag Politiker und Bürger dem verstorbenen Ex-Präsidenten Shimon Peres die letzte Ehre erwiesen. Der in eine israelische Flagge gehüllte Sarg mit dem Leichnam des Friedensnobelpreisträgers wurde von Mitgliedern der Knesset-Wache auf einem Platz vor dem Parlament aufgebahrt.

Stille Trauer um früheren israelischen Ex-Präsidenten Peres SN/APA (AFP)/MENAHEM KAHANA
Bürger können am aufgebahrten Sarg Abschied nehmen.

Staatspräsident Reuven Rivlin, Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und Parlamentspräsident Yuli Edelstein legten Kränze am Sarg nieder und verneigten sich. Netanyahu wirkte sichtlich bedrückt und verharrte eine Weile in stillem Gedenken vor dem Sarg. Er hatte sich nach eigenen Angaben in den letzten Jahren Peres sehr angenähert und sich häufig mit ihm beraten.

Mehrere hundert weitere Trauernde unterzogen sich dann Sicherheitskontrollen, um ebenfalls zum Sarg vorgelassen zu werden. Dieser soll noch bis zum Abend (20.00 Uhr MESZ) auf dem Platz aufgebahrt bleiben.

Die Knesset hat sich auf Tausende von Besuchern eingestellt. Die Gegend wurde weiträumig für Fahrzeuge abgesperrt, für die Besucher wurden Transitbusse eingesetzt. Die Polizei verstärkte die Präsenz von Sicherheitskräften in ganz Jerusalem für die Zeit der Trauerfeierlichkeiten, auch mit Blick auf die bevorstehenden jüdischen Feiertage Rosh Hashana (Neujahr), Yom Kippur (Sühnetag) und Sukkot (Laubhüttenfest).

Bei Peres' Beerdigung am Freitag werden führende Persönlichkeiten aus aller Welt erwartet. Aus den USA kommt Präsident Barack Obama, aus Frankreich Staatschef Francois Hollande, aus Großbritannien Thronfolger Prinz Charles, aus Deutschland Bundespräsident Joachim Gauck. Für die Europäische Union kommt Ratspräsident Donald Tusk. Österreich wird durch Nationalratspräsidentin Doris Bures (SPÖ), Alt-Bundespräsident Heinz Fischer und Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) vertreten.

Auch Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas wird an der Beisetzung teilnehmen. Das gaben ranghohe palästinensische Politiker am Donnerstag bekannt. Abbas ist seit Jahren nicht mehr zu einem offiziellen Besuch in Jerusalem gewesen. Sowohl Palästinenser als auch Israelis beanspruchen Jerusalem als Hauptstadt für sich.

Die im Gazastreifen herrschende radikalislamische Palästinenserorganisation Hamas hat indessen für Freitag zu einem "Tag des Zorns" im Westjordanland und in Jerusalem aufgerufen. Damit soll an den ersten Jahrestag der "Al-Quds-Intifada" erinnert werden - der jüngsten Welle palästinensischer Anschläge. Die Hamas bezog den Aufruf nicht auf das Begräbnis von Peres. Die radikal-islamische Organisation hatte allerdings Freude über den Tod des Friedensnobelpreisträgers geäußert und ihn als Kriegsverbrecher beschrieben.

Peres war am Mittwoch im Alter von 93 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben. Er war über Jahrzehnte in verschiedenen Regierungsfunktionen - unter anderem als Premier und als Außenminister - tätig und amtierte von 2007 bis 2014 als Präsident seines Landes. Im Jahr 1994 erhielt er als einer der "Väter" des Osloer Friedensabkommens den Friedensnobelpreis gemeinsam mit dem damaligen israelischen Regierungschef Yitzhak Rabin und Palästinenserführer Yasser Arafat.

Peres wurde 1923 als Sohn eines Holzhändlers im damaligen Ostpolen geboren und wanderte 1934 mit seiner Familie nach Palästina ein. Er wurde auch als Vater des israelischen Atomprogramms bekannt.

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

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