Weltpolitik

Südkoreaner gaben "Trostfrauen"-Galionsfigur letztes Geleit

Hunderte Südkoreaner haben am Freitag einer der letzten ehemaligen Zwangsprostituierten der japanischen Armee, Kim Bok-dong, das letzte Geleit gegeben. Viele der Trauernden, die dem Wagen mit Kims Leichnam beim Trauerzug durch Seoul folgten, trugen große gelbe Papier-Schmetterlinge bei sich, das Zeichen der Sexsklavinnen der japanischen Besatzer während des Zweiten Weltkriegs.

Kim Bok-dong machte Schicksal der Sexsklavinnen bekannt SN/APA (AFP)/JUNG YEON-JE
Kim Bok-dong machte Schicksal der Sexsklavinnen bekannt

Höhepunkt des Marschs war ein Zwischenstopp vor der japanischen Botschaft. Kim war am Montag im Alter von 92 Jahren an Krebs gestorben. Sie war eine der Galionsfiguren der sogenannten "Trostfrauen", die jahrelang mit wöchentlichen Kundgebungen vor der japanischen Botschaft auf ihr Schicksal aufmerksam machten und von Japan eine Entschuldigung verlangten.

Während des Zweiten Weltkriegs hatte Japan Hunderttausende Frauen aus Korea, China und anderen besetzten Ländern gezwungen, in Militärbordellen den japanischen Soldaten zu Diensten zu sein. Der Umgang mit den in Japan beschönigend "Trostfrauen" genannten Zwangsprostituierten ist ein hochemotionales Thema in Südkorea.

Japan entschuldigte sich erst 1993 für den Missbrauch der unzähligen Frauen unter seiner Besatzung. Seitdem sind jedoch mehrere Politiker wieder zurückgerudert - darunter auch Regierungschef Shinzo Abe, der 2007 erklärt hatte, es gebe keinen Beweis dafür, dass die Frauen tatsächlich zur Prostitution genötigt worden seien.

Südkoreas Präsident Moon Jae-in hatte Japan erst im Jänner aufgefordert, eine "demütigere Haltung" gegenüber seiner Geschichte anzunehmen. Moon besuchte nun ebenso wie Tausende Südkoreaner den Traueraltar für Kim Bok-dong, der nach ihrem Tod im Krankenhaus aufgestellt worden war.

Kim war als 14-Jährige von den Japanern in ein Militärbordell verschleppt und dort jahrelang täglich von morgens bis abends von Soldaten zum Sex gezwungen worden. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs verschwieg sie zunächst ihr Schicksal. Erst als ihre Mutter sie zur Heirat drängte, erzählte sie von ihrem Leben als Sexsklavin - nach ihren Angaben erholte sich ihre Mutter nie mehr von diesem Schock.

Kim selbst heiratete nie. Stattdessen sorgte sie mit einer Handvoll weiterer "Trostfrauen" bis zum Schluss dafür, dass ihr Schicksal nicht vergessen wurde.

Quelle: Apa/Ag.

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