Weltpolitik

Südkoreas Präsidentin Park kommt immer mehr in Bedrängnis

Durch einen Korruptionsskandal um eine langjährige Vertraute gerät Südkoreas Präsidentin Park Geun-hye immer stärker unter Druck. Das Bezirksgericht in Seoul erließ am Donnerstag Haftbefehl gegen Parks Freundin Choi Soon-sil, wie die Nachrichtenagentur Yonhap berichtete. Ihr droht jetzt eine Anklage wegen Machtmissbrauchs und anderer Vergehen.

Südkoreas Präsidentin Park kommt immer mehr in Bedrängnis SN/APA (AFP)/JUNG YEON-JE
Gegen Park Geun-hye könnte ermittelt werden.

Trotz ihrer Immunität vor Strafverfolgung sei es möglich, dass die Staatsanwaltschaft in dem Fall auch gegen Park ermittle, sagte der designierte Ministerpräsident Kim Byong-joon am Donnerstag. "Vor dem Gesetz sind alle gleich." Wie sich herausstellte, hatte Park Verbindungen zu einer dubiosen Sekte.

Park, die sich für die Affäre entschuldigt hatte, will sich nach Angaben ihres Büros am Freitag erneut zu dem Fall äußern. Der konservativen Staatschefin wird vorgeworfen, ihrer Freundin erlaubt zu haben, sich ohne öffentliches Amt in die Regierungsgeschäfte einzumischen. Auch soll die 60-Jährige ihre Beziehung zu Park benutzt haben, um Spendengelder für zwei private Stiftungen einzutreiben. Sie soll sich dadurch auch persönlich zu bereichert haben. Choi ist die Tochter eines ehemaligen Sektenführers und Förderers von Präsidentin Park.

Chois Vater sah sich als ein Gesandter Gottes und gründete die "Kirche für ein ewiges Leben". Es handelt sich um eine Mischung aus Buddhismus, Christentum und konfuzianischem Schamanismus. Wie die "Neue Zürcher Zeitung unter Berufung auf den "Korea Herald" berichtete, zog Chois Vater die junge Park in den Bann seiner Sekte, indem er ihr versprach, durch ihn könne sie Kontakt zu ihrer verstorbenen Mutter aufnehmen.

Noch vor der Ermordung ihres Vaters, des autoritären Präsidenten Park Chung-hee, lud Park den Schamanen, der bereits ein Freund der Familie war, ins Haus des Präsidenten ein und machte Choi zu ihrem Mentor. Der dubiose Werdegang von Vater Choi - er war ursprünglich Polizist, dann buddhistischer Mönch und ließ sich schließlich zum römisch-katholischen Priester ausbilden, bevor er seine Sekte gründete - hielt die junge Park nicht davon ab, ihm sein vollstes Vertrauen zu schenken. Als Parks Vater 1979 ermordet wurde, wurde die Beziehung zwischen Choi und Park noch enger

Der Skandal zieht unterdessen weitere Kreise. Die Staatsanwaltschaft ließ am Mittwochabend auch einen ehemaligen Berater Parks festnehmen. Ahn Jong-beom soll Choi während seiner Zeit als Sekretär im Präsidialamt geholfen haben, die Spendengelder für die umstrittenen Stiftungen Mir und K-Sports einzuwerben und dabei Druck auf Unternehmen ausgeübt haben. Er bestritt nach Angaben der Ermittler die Vorwürfe.

Da Park nach wie vor Staatsoberhaupt sei, sollte man bei der Aufnahme von Ermittlungen gegen sie vorsichtig vorgehen, sagte der designierte Premier Kim Byong-joon in Seoul. Park hatte den einstigen Berater des liberalen Ex-Präsidenten Roh Moo-hyun erst am Mittwoch zum neuen Ministerpräsidenten nominiert. Seiner Ernennung muss das Parlament aber noch zustimmen.

Der Schritt wurde auch als Versuch Parks gesehen, die liberalen Oppositionsparteien zu beschwichtigen. Diese hatten zuletzt ihre Forderungen nach Ermittlungen gegen Park verstärkt. Tausende Südkoreaner hatten bei Protesten gegen die Regierung den Rücktritt Parks gefordert.  

Quelle: Apa/Dpa

Aufgerufen am 22.09.2018 um 08:55 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/suedkoreas-praesidentin-park-kommt-immer-mehr-in-bedraengnis-919024

Schlagzeilen