Weltpolitik

Syriens Regierungstruppen erobern strategisch wichtige Stadt

Die syrischen Regierungstruppen haben die strategisch wichtige Stadt Maaret al-Numan im Nordwesten des Landes zurückerobert. "Unseren Streitkräften ist es in den vergangenen Tagen gelungen, den Terrorismus in vielen Dörfern und Städten auszurotten", sagte ein Armeesprecher am Mittwoch. Die UNO warnte vor einer humanitären Katastrophe und forderte die sofortige Einstellung der Kampfhandlungen.

Regierungstruppen eroberten große Gebiete von den Rebellen zurück SN/APA (AFP)/-
Regierungstruppen eroberten große Gebiete von den Rebellen zurück

Die zuvor von jihadistischen Kämpfern und Rebellen beherrschte Stadt Maaret al-Numan liegt an einem wichtigen Verkehrsknotenpunkt der Autobahn M5, welche die Hauptstadt Damaskus mit der zweitgrößten syrischen Stadt Aleppo verbindet. 2011 war die Stadt eine der ersten in der Provinz Idlib, in denen sich Einwohner gegen die Regierung in Damaskus auflehnten. Ein Jahr später fiel sie in die Hände der Gegner des syrischen Machthabers Bashar al-Assad.

Nach der Einnahme von Maaret al-Numan suchten Soldaten die Stadt nach Sprengfallen ab, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte unter Berufung auf Aktivisten vor Ort mitteilte. Demnach befinden sich keine Rebellen mehr in der Stadt - alle seien tot oder hätten sich zurückgezogen. Die syrische Armee erklärte, sie werde den Kampf zur "Säuberung des gesamten syrischen Gebiets vom Terrorismus" fortsetzen.

Während der Kämpfe schwer verletzt wurde auch eine Russia-Today-Journalistin, wie der russische Sender mitteilte. Die Korrespondentin berichtete demnach über ein Waffenlager, als dort eine Granate explodierte.

Seit Dezember greifen Assads Truppen mit Unterstützung der russischen Luftwaffe verstärkt den Süden der Provinz Idlib an. Allein seit vergangenem Freitag erlangten die Regierungstruppen die Kontrolle über 27 Städte und Dörfer in der Region wieder. Die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana meldete am Mittwoch, die Regierungstruppen seien inzwischen auch im Gebiet von al-Rashidin im Westen Idlibs den jihadistischen Kämpfern überlegen.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan warf der russischen Regierung am Mittwoch vor, sich nicht an die bilateralen Vereinbarungen zu einer Waffenruhe im Nordwesten Syriens zu halten. Erdogan forderte das Ende russischer Angriffe in Idlib. Ansonsten werde die Türkei tun, "was immer nötig ist", betonte der türkische Staatschef in der Zeitung "Hürriyet". Moskau steht im Syrien-Konflikt an der Seite der Regierungstruppen, Ankara unterstützt die gegen die syrische Regierung kämpfenden Rebellen. Beide Länder hatten in den vergangenen Jahren jedoch gemeinsam an einer Lösung des Konflikts gearbeitet.

Die UNO appellierte an alle Beteiligten, die Kämpfe einzustellen. "Die Konfliktparteien und jene, die Einfluss auf sie haben, müssen aufhören zu kämpfen", sagte der UNO-Nothilfekoordinator Mark Lowcock am Mittwoch vor dem UNO-Sicherheitsrat in New York. "Wenn die gegenwärtigen Feindseligkeiten nicht enden, wird es eine noch größere humanitäre Katastrophe geben", warnte er.

Die Regierungstruppen kontrollieren inzwischen rund 70 Prozent Syriens. Mehr als die Hälfte der Provinz Idlib sowie kleine Teile der benachbarten Provinzen Aleppo und Latakia befinden sich noch unter Kontrolle der Jihadistenmiliz Hajat Tahrir al-Sham (HTS) und anderer islamistischer Milizen. Assad ist entschlossen, die Region wieder unter seine Kontrolle zu bringen.

In der Provinz Idlib leben rund drei Millionen Menschen, mehr als die Hälfte davon Vertriebene. Fast alle von ihnen sind laut Lowcock auf humanitäre Hilfe angewiesen. Insgesamt seien seit Mitte Dezember 390.000 Menschen vor der Gewalt geflohen. Helfer beklagen schon seit langem eine dramatische humanitäre Lage, die durch die Wintertemperaturen verschärft wird. Es fehlt an Nahrung, menschenwürdigen Unterkünfte und medizinischer Versorgung. Etwa 2,7 Millionen Menschen sind dringend auf humanitäre Hilfe angewiesen.

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

Aufgerufen am 25.09.2020 um 01:01 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/syriens-regierungstruppen-erobern-strategisch-wichtige-stadt-82706848

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