Weltpolitik

Syrische Armee erzielt Geländegewinne in Aleppo

Syrische Regierungstruppen haben bei ihrer Großoffensive gegen Aleppo erste Geländegewinne erzielt. Am Samstag nahm die Armee mit der Unterstützung von Milizen das Lager Handarat im Norden der Metropole ein, wie beide Seiten mitteilten. Zuvor waren vor allem russische Kampfflugzeuge erneut schwere Angriffe auf den von Rebellen gehaltenen Ostteil der Stadt geflogen.

Syrische Armee erzielt Geländegewinne in Aleppo SN/APA (AFP)/KARAM AL-MASRI
Aleppo wird seit Tagen wieder schwer bombardiert.

Nach Informationen von Helfern und der oppositionsnahen Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte wurden seit Freitag Dutzende Menschen getötet. Allein am Samstag seien bis Mittag 25 Todesopfer registriert worden, teilte die Beobachtungsstelle mit.

"Handarat ist gefallen", sagte ein Vertreter der größten Rebellengruppen in Aleppo der Nachrichtenagentur Reuters. In einer Erklärung der Armee hieß es, bei der Einnahme seien "viele Terroristen" getötet worden. Das Palästinenser-Lager war seit Jahren in der Hand der Rebellen.

US-Außenminister John Kerry forderte von Syrien ein sofortiges Ende der Luftangriffe auf Aleppo. "Was in Aleppo passiert, ist inakzeptabel. Das sprengt alle Dimensionen", sagte Kerry am Samstag bei einem Treffen mit den Außenministern Deutschlands, Großbritanniens, Frankreichs und Italiens in seiner Heimatstadt Boston.

Zugleich rief er Russland auf, seinen Einfluss auf Syriens Machthaber Bashar al-Assad geltend zu machen, damit die Angriffe gestoppt werden. "Russland muss ein Exempel statuieren und keinen Präzedenzfall schaffen, der für die ganze Welt nicht hinnehmbar ist", sagte Kerry.

Syrien hatte die Offensive am Donnerstag ausgerufen. Der regierungstreue Kommandant einer irakischen Miliz sagte Reuters, Ziel sei es, ganz Aleppo innerhalb einer Woche einzunehmen. Die Offensive begann in der Nacht auf Freitag mit einem schweren Bombardement, das auch am Samstag fortgesetzt wurde. "Die Angriffe sind heftig und dauern an", sagte der Direktor der Beobachtungsstelle, Rami Abdulrahman.

Im Osten Aleppos wohnen immer noch mehr als 250.000 Menschen. Einwohnern zufolge werden jetzt Waffen eingesetzt, die größere Zerstörungen anrichten als bisher. Viele Gebäude seien vollständig dem Erdboden gleichgemacht worden. Bilder von Einschlägen zeigen Krater, die mehrere Meter tief sind. "Die meisten Opfer liegen noch unter Trümmern begraben, weil mehr als die Hälfte des Zivilschutzes außer Gefecht gesetzt wurde", sagte ein Rebellensprecher. Der Chef der sogenannten Weißhelme, Ammar al-Selmo, sagte Reuters: "Unsere Teams versuchen zu helfen, aber es sind nicht genug, um auf eine Katastrophe solchen Ausmaßes angemessen zu reagieren."

Syrien beschuldigte die USA unterdessen, mit Absicht vor einer Woche syrische Regierungstruppen bei Deir Ezzor bombardiert zu haben. "Die syrische Regierung macht die Vereinigten Staaten verantwortlich für diese Aggression", sagte der syrische Außenminister Walid Muallem am Samstag vor der UNO-Vollversammlung in New York. Die Fakten zeigten, dass es ein absichtlicher Angriff gewesen sei und nicht ein Versehen, auch wenn die Vereinigten Staaten das Gegenteil behaupteten, erklärte Muallem.

Bei den Luftangriffen von Kampfflugzeugen der US-geführten Militärallianz gegen die Jihadistenmiliz Islamischer Staat waren vor einer Woche beim Flughafen der umkämpften ostsyrischen Stadt Deir Ezzor mehr als 90 syrische Soldaten getötet worden. Die Militärallianz gab später an, die Stellungen der Regierungstruppen versehentlich bombardiert zu haben. Eigentlich hätten sich die Angriffe gegen IS-Kämpfer gerichtet.

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

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