Weltpolitik

Tätlichkeiten auf Gedenkfeier "Ungarn 1956" in Budapest

Die Gedenkfeier anlässlich des 60. Jahrestages des ungarischen Volksaufstandes von 1956 auf dem Budapester Kossuth-Platz ist nicht ohne Zwischenfälle verlaufen. Während Bürger mit Pfiffen am Sonntag gegen die Regierung des rechtskonservativen Premiers Viktor Orban demonstrierten, kam es auch zu Tätlichkeiten zwischen Orban-Anhängern und -Gegnern.

Tätlichkeiten auf Gedenkfeier "Ungarn 1956" in Budapest SN/APA (AFP)/FERENC ISZA
Orban-Gegner lie§en Unmut freien Lauf.

Ein prominentes Opfer war der bekannte Historiker Krisztian Ungvary, der von einem Orban-Anhänger durch einen Faustschlag im Gesicht verletzt wurde und eine blutende Platzwunde davontrug. Laut Polizei wurden im Anschluss an die Proteste vier Männer wegen des Verdachts auf gewalttätige Störung der öffentlichen Ordnung vorgeführt.

Es müsse mit "Argumenten und nicht mit feiger Gewalt diskutiert werden", erklärte Ungvary nach dem Zwischenfall. Dabei dürfte in einer Demokratie die freie Meinungsäußerung, die im Verfassungsrahmen bleibt, nicht eingeschränkt werden. Die heutigen Machthaber und ihre Anhänger müssten die Kritik ertragen, betonte Ungvary auf Facebook.

Laut dem Wissenschafter seien am Rande der Proteste nicht nur er, sondern auch andere Demonstranten angegriffen worden. Bei den Zwischenfällen sei es Sicherheitskräften zu verdanken gewesen, dass "nicht noch mehr Blut floss".

Er bezeichnete die Tätigkeit der Orban-Regierung auf dem Gebiet der Erinnerungspolitik als "skandalös", was ihn zu seinem Protest auf dem Kossuth-Platz veranlasst hätte. Der Historiker spielte damit offenbar auf das umstrittene Budapester Denkmal der deutschen Besatzung Ungarns 1944 an, das laut Kritikern das Land einseitig als ohnmächtiges Opfer darstelle und die Mitwirkung der ungarischen Behörden am Holocaust verleugne.

Quelle: APA

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