Weltpolitik

Taliban-Angriff auf American University in Kabul

Bei einem Angriff schwer bewaffneter, mutmaßlicher Taliban-Kämpfer auf die Amerikanische Universität in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind mindestens 14 Menschen verletzt worden. Die Opfer seien in Krankenhäuser gebracht worden, sagte der Leiter der Kabuler Kliniken, Muhibullah Sir, am Mittwochabend. Medienberichte, in denen von Todesopfern die Rede war, ließen sich zunächst nicht bestätigen.

Gegen 19.00 Uhr war eine laute Explosion zu hören gewesen. Der Sender Tolo TV berichtete von Schusswechseln nach einer Ruhepause. Nach Angaben des Senders 1TV waren Spezialkräfte der Armee an Ort und Stelle.

Nach Angaben ranghoher Mitarbeiter des afghanischen Innenministeriums attackierten mehrere Angreifer das stark gesicherte Gebäude mit Sprengstoff und Gewehrfeuer. Einige hätten offenbar auch Sprengstoffwesten am Körper getragen. Die afghanische Armee riegelte die Universität ab.

Eine den Taliban nahestehende Quelle twitterte, Kämpfer der radikalislamischen Extremisten seien auf das Gelände vorgedrungen. Eine offizielle Stellungnahme der Taliban gab es zunächst aber nicht.

Hunderte Studenten und ausländische Lehrkräfte sitzen offenbar auf dem Campus fest. "Wir sind in unserem Klassenzimmern gefangen", berichtete ein Student der Nachrichtenagentur Reuters telefonisch vom Uni-Gelände. Die Hochschule bietet Abendklassen an, die normalerweise rege besucht werden.

Ein Student berichtete, er sitze mit Kommilitonen in einem Raum fest, sie hätten große Angst. "Ich habe Explosionen gehört, und hier in der Nähe wird geschossen", sagte er.

Andere Studenten schickten Twitter-Nachrichten, in denen sie um Hilfe flehten. Ein Student berichtete auf diese Weise, er und andere Studenten sowie Lehrer seien entkommen. Weitere seien noch im Gebäude. Angehörige und Freunde von Studenten verbreiteten über soziale Medien, dass viele der jungen Leute und Lehrer in einem gesicherten Raum seien.

Der mit einem Pulitzer-Preis ausgezeichnete afghanische Fotograf der Nachrichtenagentur Associated Press, Massud Hussaini, berichtete ebenfalls per Twitter aus einem Klassenraum: Er höre Schusswechsel, Mädchen weinten. Hussaini konnte später entkommen.

Erst vor zwei Wochen waren ein australischer und ein US-amerikanischer Professor nahe der Universität aus ihrem Auto heraus von Unbekannten verschleppt worden. Der Präsident der Universität, Mark English, kündigte daraufhin an, die Sicherheitsvorkehrungen zu verbessern. Die Leitung der 2006 gegründeten Elite-Universität, an der 1.700 Studenten eingeschrieben sind, war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen.

In jüngster Zeit haben die radikalislamischen Taliban ihre Angriffe auf die vom Westen unterstützte afghanische Regierung verstärkt.

Quelle: Apa/Dpa

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