Weltpolitik

Tausende Kroatinnen demonstrieren für Abtreibungsrecht

Aktivistinnen in Kroatien fürchten eine schleichende Einschränkung des Rechts auf Schwangerschaftsabbrüche.

Demonstrantinnen in Zagreb fordern Respekt für die Gesundheit von Frauen.  SN/APA/AFP/DENIS LOVROVIC
Demonstrantinnen in Zagreb fordern Respekt für die Gesundheit von Frauen.

In Kroatien haben am Donnerstagabend Tausende Menschen für das Recht auf Abtreibung demonstriert. In Zagreb und mehreren anderen Städten fanden die Proteste unter dem Motto "Genug" (Dosta) statt. Anlass war der Fall einer schwangeren Frau, der trotz schwerer Erkrankung ihres Fötus zunächst die Abtreibung verweigert worden war. Der Fall sorgte landesweit für Empörung und löste eine Debatte über Einschränkungen der gesetzlich erlaubten Abtreibung aus.

In der Hauptstadt versammelten sich Berichten zufolge Tausende Menschen auf dem zentralen Ban-Jelačić-Platz, um für zugängliche und sichere Abtreibungen zu protestieren. Die Demonstranten trugen Transparente mit den Aufschriften "Die Frau ist kein Brutkasten" oder "Stoppt den Klerikalismus in gynäkologischen Kliniken". Bei den Protesten, die unter anderem auch in Split, Rijeka und Osijek stattfanden, wurden auch bestürzende Geschichten von Frauen mit schlechten Erfahrungen bei Schwangerschaftsabbrüchen in kroatischen Kliniken geschildert.

Anlass für die Proteste war der Fall einer 39-jährigen Kroatin, bei deren Fötus vor drei Wochen im sechsten Schwangerschaftsmonat ein tödlicher Gehirntumor festgestellt wurde. Ärzte verweigerten eine Abtreibung und rieten ihr stattdessen, den Eingriff in Slowenien durchführen zu lassen. Vier Zagreber Frauenkliniken wiesen sie laut Medien ab. Als der Fall Anfang Mai publik wurde, brach eine heftige Diskussion aus. Die betroffene Frau wurde hin- und hergeschickt, von den Ärzten gab es zunächst widersprüchliche Diagnosen. Diese Woche stellte schließlich eine medizinische Kommission fest, dass ein Schwangerschaftsabbruch in diesem Fall aus medizinischen Gründen erlaubt sei. Die 39-Jährige wird dennoch ins Nachbarland fahren. In Kroatien führt keine Klinik Spätabtreibungen mit Fetozid aus.

Der Fall wies laut Medien darauf hin, dass das System trotz der gesetzlich geregelten Abtreibung nicht funktioniert. Schwangerschaftsabbrüche sind in dem mehrheitlich katholischen Land auf Grundlage eines Gesetzes von 1978 bis zur zehnten Woche legal, auch später ist eine Abtreibung in Ausnahmefällen möglich. Die Realität sehe jedoch anders aus, kritisieren die Aktivisten. Rund 60 Prozent der kroatischen Frauenärzte verweigern Schwangerschaftsabbrüche aus Gewissensgründen, in manchen öffentlichen Krankenhäusern, die als Einzige Abtreibungen durchführen dürfen, gibt es keinen einzigen Arzt, der den Eingriff durchführen würde.

Die Debatte wird auch im kroatischen Parlament geführt, wo die oppositionellen Sozialdemokraten ein Gesetz zur Neuregelung eingereicht haben. Diese wurde bereits 2017 vom Verfassungsgericht gefordert, bisher kam es aber nicht dazu. Während die links-liberale Opposition ein Gesetz mit legalen Abtreibungsmöglichkeiten unterstützt, kritisiert die konservative Opposition, dass damit das Recht aufs Leben negiert werde. Die regierende HDZ-Partei will das Gesetz nicht unterstützen, weil sie es für zu vage hält. Am Freitag lehnte das kroatische Parlament das von der Opposition eingereichte Gesetz zur Neuregelung der Abtreibung ab.

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