Weltpolitik

Tausende vor Feuer aus Flüchtlingslager auf Lesbos geflohen

Tausende Menschen sind in der Nacht auf Dienstag wegen eines Großbrandes aus dem Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos ausgebrochen. Fast alle befänden sich inzwischen in Sicherheit, teilte die Polizei am Dienstag mit. Zahlreiche Zelte und Container wurden bei dem Feuer zerstört. Fast 60 Prozent des Lagers Moria seien nicht mehr bewohnbar, sagte ein Polizist.

Tausende vor Feuer aus Flüchtlingslager auf Lesbos geflohen SN/AP
Rund 3000 Flüchtlinge flohen vor den Flammen.

Die Ursache des Brandes war zunächst unklar, allerdings gab es laut Medienberichten Zusammenstöße nach Gerüchten, dass Hunderte Menschen abgeschoben werden sollten. Zwei Einheiten der Bereitschaftspolizei wurden auf die Insel verlegt.

Wegen des Feuers waren die rund 5.000 Bewohner aus dem überfüllten Lager geflohen. Verletzt wurde niemand. Am Dienstagmorgen versuchten die griechischen Behörden, die Lage rund um das Lager wieder unter Kontrolle zu bringen.

Neun Bewohner des Lagers wurden festgenommen. Die Flüchtlinge aus Afghanistan, Irak, dem Senegal, Syrien und Kamerun stünden im Verdacht, die Urheber gewaltsamer Zusammenstöße zu sein, in deren Zuge das Lager Moria am Montagabend in Brand gesetzt wurde, verlautete am Dienstag aus Polizeikreisen.

Der Bürgermeister von Lesbos befürchtet angesichts der chaotischen Zustände weitere Eskalationen. "Ich weiß nicht, ob es heute sein wird oder in ein, zwei Tagen, aber wenn die Situation nicht umgehend entschärft wird, werden wir sicher wieder neue, noch schlimmere Vorfälle erleben."

Das Flüchtlingshochkommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR) stellte das Feuer in Zusammenhang mit den schwierigen Lebensbedingungen und der Verunsicherung vieler Flüchtlinge. "Sie wissen nicht, wann über ihre Asylanträge entschieden wird, viele haben den Eindruck, schlecht informiert zu sein", sagte UNHCR-Sprecher Roland Schönbauer. "Die Leute haben das Warten satt."

Die Flüchtlingsunterkünfte auf den griechischen Inseln sind überfüllt, auch wenn der Migrantenzustrom in diesem Jahr im Vergleich zu 2015 zurückgegangen ist. Auf Lesbos befinden sich derzeit rund 5.650 Flüchtlinge, obwohl die Unterkünfte dort eigentlich nur Platz für 3.500 bieten. "Die Lage ist schwierig", sagte Christiana Kalogirou, Gouverneurin der Region nördliche Ägäis, im Fernsehen. Es sei dringend nötig, Engpässe auf den Inseln zu beseitigen, sonst könnte die Situation noch schwieriger werden.

Insgesamt leben derzeit in Griechenland etwa 60.000 Flüchtlinge. Die meisten von ihnen wollen in andere EU-Staaten weiterreisen. Dies ist aber wegen der geschlossenen Balkanroute und des EU-Flüchtlingsabkommens mit der Türkei derzeit unmöglich. In die Türkei wurden seit März gut 500 Menschen zurückgebracht. Keiner von ihnen hatte nach griechischen Angaben Asyl beantragt.

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

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