Weltpolitik

Teheran bejubelt gelungenen Vergeltungsakt

Mit der Festsetzung des britischen Tankers "Stena Impero" verschärft der Iran die Spannungen mit dem Westen weiter.

Die „Steno Impero“ im iranischen Hafen Bandar Abbas. SN/tasnim news agency
Die „Steno Impero“ im iranischen Hafen Bandar Abbas.

Es waren spektakuläre Bilder, die das iranische Staatsfernsehen in der Nacht zum Samstag seinen Zuschauern präsentierte: Im Licht der untergehenden Sonne umkreisen iranische Schnellboote bei rauer See den britischen Tanker "Stena Impero". Wenig später seilen sich sieben vermummte Revolutionsgardisten von einem über dem Tanker kreisenden Hubschrauber ab.

Mit einer ähnlichen Vorgehensweise hatten britische Marines Anfang Juli den iranischen Supertanker "Grace 1" vor Gibraltar festgesetzt und damit in der Islamischen Republik einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Sollten die britischen Behörden den Tanker nicht sofort freigeben, "ist es unsere Pflicht, einen britischen Öltanker zu beschlagnahmen", sagte der Gardisten-General Mohsen Rezai. Einen ersten Versuch konnte die "HMS Montrose" vor zehn Tagen noch verhindern. Doch am Freitag war es für ein Eingreifen der britischen Fregatte zu spät. Das Kriegsschiff hatte die rasenden Schnellboote der Revolutionsgardisten über Funk noch gewarnt, "nicht das internationale Recht zu verletzen". Doch die "Stena Impero" befand sich bereits in iranischer Hand. Die Teheraner Diplomatie sprach von "bloßer Anwendung des internationalen Rechts". So hatte auch London nach der Festsetzung der "Grace 1" argumentiert.

In Wirklichkeit ging es dem Iran nur um Revanche. "Das Recht der Vergeltung", behauptete Abbasali Kadkhodaei, Sprecher des mächtigen iranischen "Wächterrats" am Samstag, "ist ein anerkanntes Konzept im internationalen Recht". 160 der 290 iranischen Parlamentsabgeordneten begrüßten die Kaperung des britischen Tankers ausdrücklich. "Die britischen Piraten haben uns überfallen und wir haben ihnen nun die passende Antwort gegeben", so Irans Parlamentspräsident Ali Laridschani.

Dass die Aktion die Spannungen mit dem Westen weiter verschärft, scheint in Teheran kein Grund zur Besorgnis zu sein. Wie im Atomstreit sieht sich die Islamische Republik auch im Tankerkrieg mit Großbritannien im Recht. Die Kaperung der "Stena Impero" erhöhe das Ansehen der Revolutionsgardisten im Iran, berichten westliche Diplomaten aus der iranischen Hauptstadt. Das Gefühl, vom Westen ungerecht behandelt zu werden, sei in der Bevölkerung mittlerweile sehr tief verankert.

Dass Teheran nicht nachgeben wird, scheint auch die britische Diplomatie zu verstehen. London drohte am Wochenende zwar mit "sehr ernsten Konsequenzen", betonte aber, dass militärische Optionen nicht erwogen würden. Man halte nach einem diplomatischen Weg Ausschau, um diese Situation zu lösen, erklärte der britische Außenminister Jeremy Hunt.

Bis es so weit ist, sollten britische Schiffe die Straße von Hormus und umliegende Gewässer bis auf Weiteres meiden. Hinter den Kulissen werde London währenddessen auf einen Austausch der in Gibraltar und Bandar Abbas festgesetzten Tanker hinarbeiten müssen, erklärten Schifffahrtsexperten in Dubai in einem Telefoninterview mit dieser Zeitung. Einen anderen Weg zur Lösung der Krise gebe es bei genauer Betrachtung im Moment nicht.

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