Weltpolitik

Terroralarm in Chemnitz: Syrer wollte Landsleute bestechen

Syrische Flüchtlinge haben den mutmaßlichen Islamisten Jaber A. überwältigt. Die Asylbewerber ließen sich aber nicht kaufen.

Terroralarm in Chemnitz: Syrer wollte Landsleute bestechen SN/AP
Der mutmaßliche Islamist Jaber A. konnte nur mit Hilfe von syrischen Asylbewerbern gefasst werden.

Nach der Festnahme des terrorverdächtigen Syrers Jaber A. hat der deutsche Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen die von dem Mann ausgehende Gefahr hervorgehoben. "Aus meiner Sicht war es fünf vor zwölf", sagte Maaßen gestern, Dienstag.

Der mutmaßliche IS-Terrorist hatte nach seiner Überwältigung durch syrische Flüchtlinge noch versucht, sich freizukaufen, sagte Mohammed A. dem Sender RTL. Der junge Syrer hatte den gesuchten Terrorverdächtigen dem Bericht zufolge mit in seine Wohnung genommen, nachdem dieser ihn am Hauptbahnhof angesprochen und nach einer Übernachtungsmöglichkeit gefragt habe. Erst in der Wohnung sei ihm der Polizei-Fahndungsaufruf auf Facebook aufgefallen. Daraufhin habe er die Polizei verständigt. Jaber A. soll schon am vergangenen Samstag in einem Onlinenetzwerk syrischer Flüchtlinge nach einem Schlafplatz in Leipzig gesucht haben. Der 22-Jährige habe geschrieben, er suche dringend eine Unterkunft und befinde sich am Leipziger Hauptbahnhof, berichtete Mohammed A., der den Mann gemeinsam mit Freunden überwältigt hatte, der "Bild"-Zeitung. "Wir sind dann hingefahren und haben ihn mitgenommen. Wir waren erst bei einem Freund in dessen Wohnung, haben dort Reis mit Lammfleisch gegessen. Dann sind wir zu einem anderen Kumpel gefahren, weil es dort mehr Platz gab. Dort hat der Mann übernachtet", zitierte das Blatt den 36-Jährigen.

Am Sonntag verfolgten Mohammed A. und ein Freund ihren Schilderungen zufolge Fahndungsaufrufe nach dem flüchtigen Terroristen. Jaber A. habe ihnen erzählt, er sei gerade erst aus Syrien angekommen, habe in Leipzig Aussicht auf einen Job. Doch man habe ihm nicht mehr geglaubt. Als er sich am Abend schlafen gelegt habe, hätten sie ein Foto von ihm auf Facebook gepostet und mit anderen Syrern diskutiert, ob er der gesuchte Terrorist sei. Dann hätten sie ihn mit mehreren Verlängerungskabeln gefesselt und die Polizei informiert.

Jaber A. sollte im Auftrag des IS die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland angreifen. Das sagte Verfassungsschutzpräsident Maaßen. "Wir hatten nachrichtendienstliche Hinweise, dass er zunächst einmal Züge in Deutschland angreifen wollte. Zuletzt konkretisierte sich das auf Flughäfen in Berlin." Schon Anfang September habe es Hinweise gegeben, dass die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) einen Anschlag auf Infrastruktureinrichtungen in Deutschland geplant habe. "Wir haben bis Donnerstag letzter Woche gebraucht, um herauszufinden, wer dafür in Deutschland verantwortlich ist", sagte Maaßen.

Der mutmaßliche Bombenbauer habe Deutschland wohl bereits im Frühjahr verlassen und sei in die Türkei gereist, berichtete die "Welt" am Dienstag unter Berufung auf Ermittlerkreise. Erst Ende August soll Jaber A., der den Ermittlungen zufolge Kontakte zur IS-Terrormiliz hatte, wieder nach Deutschland zurückgereist sein. Anschließend habe der mutmaßliche Extremist nach einer Wohnung in Sachsen gesucht. Dem Bericht zufolge soll er dabei andere Asylbewerber um Hilfe gebeten haben, die allerdings misstrauisch wurden. Jaber A. habe über auffällig viel Bargeld in US-Dollar verfügt und betont, er wolle eine Wohnung für sich allein.

Quelle: SN, Dpa

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