Weltpolitik

Terrorgefahr: Marokko will offenbar die Burka verbieten

Die Ganzkörperverschleierung ist vor allem in Europa umstritten - und in einigen Ländern auch verboten. Dass aber auch ein muslimisch geprägter Staat an ihr Anstoß nimmt, das ist neu: Nach einem Bericht des Magazins "Spiegel" will die marokkanische Regierung die Herstellung und den Verkauf von Burkas angeblich untersagen.

Ganzkörperverschleierung ist mittlerweile in einigen Ländern verboten.  SN/apa (archiv/dpa)
Ganzkörperverschleierung ist mittlerweile in einigen Ländern verboten.

Das Tragen von Burkas kommt immer mehr in Verruf, auch weil Terroristen sie bei Attentaten nutzen oder möglicherweise nutzen könnten. Das deutsche Nachrichtenmagazin "Spiegel" berichtet in seiner Onlineausgabe am Mittwoch, dass die marokkanische Regierung die Herstellung und den Verkauf der Ganzkörperverschleierung angeblich verbieten will. Der "Spiegel" beruft sich dabei auf Recherchen des britischen Fernsehsenders BBC, der sich wiederum auf marokkanische Medienberichte bezieht. Offiziell bestätigt ist freilich noch nichts.

Im "Spiegel"-Bericht heißt es wortwörtlich: "Wir haben den Import, die Fertigung und den Handel mit diesem Kleidungsstück in allen Städten und Orten verboten", zitiert die BBC die marokkanische Nachrichtenseite le360.ma. Diese beruft sich auf einen "hochrangigen Verantwortlichen im Innenministerium". Bei dem Verbot handle es sich um eine "Sicherheitsmaßnahme, da Kriminelle die Burka missbrauchen, um Verbrechen zu begehen".

Ob auch das Tragen der Burka untersagt wird, ist unklar. Mehrere Händler, so heißt es im "Spiegel"-Bericht, seien bereits von Beamten aufgesucht oder angeschrieben worden, um ihnen mitzuteilen, dass sämtliche Bestände an Burkas innerhalb von 48 Stunden zu vernichten seien.

Das Verbot der Herstellung und des Handels mit diesem Kleidungsstück läuft aber letztlich auch auf ein Trageverbot hinaus.
Der Vorstoß der Regierung dürfte aber eher ein symbolischer sein, denn die Burka ist in Marokko nicht Teil des alltäglichen Straßenbildes. Dort tragen religiöse Frauen meist nur Kopftuch (Hidschab) oder Nikab, einen Gesichtsschleier mit Sehschlitz, der mit einem langen Gewand kombiniert wird. Diese Schleier sind von einem Verbot nicht betroffen.

Im April 2011 untersagte Frankreich als erstes europäisches Land das Tragen eines Vollschleiers in der Öffentlichkeit. Belgien ist ihm bald danach gefolgt. In Deutschland sind die islamischen Ganzkörperschleier oder Gesichtsschleier nicht generell untersagt. Demnächst kommt aber ein teilweises Burkaverbot.

In Österreich wird seit Monaten über ein solches Verbot debattiert, noch ist aber kein Gesetzesentwurf in Sicht. Die Mehrheit der Österreicher und Österreicherinnen hat in einer Umfrage Nein zur Ganzkörperverschleierung gesagt.

Quelle: SN

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