Weltpolitik

"The party is over": Schwerer Schlag für Tories

Die Skandale von Boris Johnson haben in seiner Partei ihre Spuren hinterlassen.

In einem Interview am Freitag sagte Johnson, „natürlich“ übernehme er persönliche Verantwortung für die Niederlage. Schuld sei aber eigentlich ein Fokus in den Medien und der Öffentlichkeit auf die falschen Themen. SN/AP
In einem Interview am Freitag sagte Johnson, „natürlich“ übernehme er persönliche Verantwortung für die Niederlage. Schuld sei aber eigentlich ein Fokus in den Medien und der Öffentlichkeit auf die falschen Themen.

North Shropshire ist eine idyllische Gegend. Für Aufsehen sorgte der mittelenglische Wahlkreis kaum. Das änderte sich in der Nacht auf Freitag schlagartig. Seitdem spricht ganz Großbritannien über die Nachwahl in North Shropshire. Denn die Liberaldemokraten errangen in dem Wahlkreis, der seit 200 Jahren von der konservativen Partei regiert wurde, einen Erdrutschsieg.

Der Jubel bei den Liberaldemokraten war groß, der Kummer bei den Tories größer. Die neue Parlamentsabgeordnete Helen Morgan fasste die Botschaft der Wähler so zusammen: "Boris Johnson, die Party ist vorbei."

Mit der Wahlschlappe schließt sich ein Kreis von Pleiten und Pannen: Ausgelöst worden war die Nachwahl durch den Rücktritt des wegen Korruption in die Kritik geratenen Abgeordneten Owen Paterson. Er hatte sein Mandat niedergelegt, nachdem Johnson und seine Getreuen vergeblich versucht hatten, ihn vor einer vorübergehenden Verbannung aus dem Parlament zu schützen.

Darauf folgte ein Bericht nach dem anderen über Partys in der Downing Street und anderen Regierungsgebäuden, während der Rest des Landes im vergangenen Jahr im Lockdown saß. Johnson und seine Kabinettskollegen stritten vehement ab, dass Regeln gebrochen worden seien. Doch die Beweise wurden immer erdrückender: Einem Video, in dem das Presseteam der Downing Street darüber scherzte, wie man eine Lockdown-Party mit "Käse und Wein" gegenüber Journalisten rechtfertigen könnte, folgten Fotos von Johnson beim Quiz mit Kollegen. Hinzu kamen neue Erkenntnisse über die fragwürdige Finanzierung des Luxus-Umbaus in Johnsons Dienstwohnung durch vermögende Spender.

Als wäre das nicht genug, schlittert das Land in die bisher größte Infektionswelle seit Ausbruch der Pandemie. Doch für harte Coronamaßnahmen fehlen Johnson zunehmend die Unterstützung der eigenen Partei und - angesichts der Berichte über Lockdown-Verstöße - auch die moralische Autorität.

Gerüchten aus Westminster zufolge wird bereits über mögliche Nachfolger gesprochen. Als aussichtsreichster Kandidat gilt Wirtschaftsminister Rishi Sunak, gefolgt von Außenministerin Liz Truss. Für Johnson, so scheint es, wird es langsam wirklich eng. "Noch ein Streich und ich denke, es ist aus", drohte am Freitag Tory-Party-Veteran Roger Gale im Gespräch mit dem Nachrichtensender Sky News.

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