Weltpolitik

Theresa May im Porträt: Eiserne Lady 2.0

Ihren Stil beschrieb eine Boulevardzeitung einst als "Mischung aus strenger Schuldirektorin und Domina". Viele vergleichen sie schon Mit Magaret Thatcher. Wer ist die Frau, die derzeit im Sturm steht? Und nur wenig wankt. Ein Porträt.

Schon als Kind wollte Theresa May Premierministerin von Großbritannien werden. Geschickt taktierend schaffte sie es bis ganz nach oben: Die Konservative beerbte nach dem Brexit-Referendum den zurückgetretenen David Cameron.

Bereits als May britische Innenministerin wurde, orakelten Mitarbeiter: "Die wird bestimmt einmal Premierministerin." So übereifrig trat die Konservative auf. Führungsstärke zeigte sie demonstrativ nach den drei Terroranschlägen, die London und Manchester erschütterten. "Jetzt reicht's", polterte sie und legte sogleich einen - nicht sehr in die Tiefe gehenden - Plan zur Terrorbekämpfung vor. Peinlich wurde es, als Labour-Chef Jeremy Corbyn ihren Rücktritt verlangte, weil sie einst für das Streichen von 20.000 Polizeijobs mitverantwortlich war.

Verbissen und irgendwie anders - so beschreiben viele Weggefährten die 62-Jährige. Auf die Frage einer britischen TV-Journalistin, was denn das Frechste war, was sie je gemacht habe, rief die Politikerin "Meine Güte!", überlegte kurz und antwortete fast staatsmännisch: "Als ich und meine Freunde als Kinder durch die Weizenfelder gerannt sind. Die Bauern waren darüber nicht sehr erfreut."

Spontanes Zugehen auf Leute, Small Talk - das ist nicht ihre Sache. Darunter haben auch ihre Wahlkampfauftritte gelitten. Kritiker werfen ihr vor, sie sei kalt und herzlos. Die Journalistin Rosa Prince zeichnet in ihrer Biografie "Theresa May. Die rätselhafte Premierministerin" das Bild einer Politikerin, die von vielen Mitarbeitern für ihren Fleiß geschätzt wird, aber auch nachtragend sein kann. "Auge um Auge, Zahn um Zahn" sei ihr Motto. Wer ihr in die Quere komme, könne noch Jahre später seinen Posten verlieren.

Seit ihrem Amtsantritt Jahr zeigt sich die Premierministerin besonders kampfbereit. Je stärker ihr der Wind ins Gesicht bläst, desto standhafter und stärker scheint sie. zu sein. Freund wie Feind stellen schon Vergleiche mit Magaret Thatcher, der "Eisernen Lady" an. Dabei wurde sie oft auch als Zauderin wahrgenommen, die rhetorisch geschickt wenig Inhalt in viel Verpackung hüllt, gerade beim heiklen Thema Brexit. So erschien ein Foto von ihr auf dem Titelblatt des Magazins "Economist". Überschrift: "Theresa Maybe" - "Theresa Vielleicht".

Sie hänge die Fahne nach dem Wind, um politische Lager zu besänftigen und für sich das Beste herauszuholen, kritisierte Simon Hix von der London School of Economics and Political Science (LSE).

May studierte Geografie in Oxford und arbeitete für die englische Notenbank. Sie machte schon früh Lokalpolitik und erklomm Sprosse für Sprosse die Karriereleiter. Sie ist - wie die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel - eine kinderlose Pfarrerstochter.

Ihr bester Freund ist Ehemann Philip. Bei einem der seltenen gemeinsamen Fernsehauftritte in der BBC gab der Finanzmanager einen Einblick in das Eheleben: "Ich übernehme die traditionellen Aufgaben der Burschen", aber seine Frau könne sehr gut kochen. Die pakistanische Politikerin Benazir Bhutto hatte die beiden einander in einer Disco in Großbritannien vorgestellt.

Mit ihrem strengen Auftreten erinnert die Premierministerin manchmal auch an ihre einzige weibliche Vorgängerin, an die "Eiserne Lady" Margaret Thatcher. Deren Markenzeichen waren die Handtaschen. Jeder Brite versteht daher den Begriff "handbagging" - die Bezeichnung für den Moment, in dem ein männlicher Politiker von der Eisernen Lady verbal eins übergezogen bekam. Mays Markenzeichen sind ausgefallene Schuhe. "Ihr Stil ist eine Mischung aus strenger Schuldirektorin und Domina", lästerte eine Boulevardzeitung.

Quelle: SN

Aufgerufen am 07.12.2019 um 11:13 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/theresa-may-im-portraet-eiserne-lady-2-0-60993424

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