Weltpolitik

Tijuana empfängt "Caravanas" mit lautem Protest

Die ersten 3000 Flüchtlinge der Migrantenkarawane erreichen Tijuana. Und stoßen in der Grenzstadt auf Ablehnung.

In Tijuana an Mexikos Grenze zu den USA protestieren Einwohner gegen die Ankunft von Migranten aus Zentralamerika. SN/APA/AFP/GUILLERMO ARIAS
In Tijuana an Mexikos Grenze zu den USA protestieren Einwohner gegen die Ankunft von Migranten aus Zentralamerika.

Nach vier Wochen und 4500 Kilometern Fußmarsch haben die ersten Mitglieder der Migrantenkarawane (Caravana) aus Honduras, El Salvador und Guatemala die mexikanische Grenzstadt Tijuana erreicht. Dort treffen sie auf massive Zurückweisung bei Bevölkerung und Politikern. Am Sonntag protestierten Hunderte Einwohner der Stadt gegen die Flüchtlinge. Sie fürchten, die Menschen könnten langfristig in Tijuana bleiben, da die schwer gesicherte Grenzanlage zu den USA kaum zu überwinden ist.

"Tijuana zuerst" und "Haut ab" skandierten die Demonstranten und behaupteten, der Großteil der Menschen aus Zentralamerika seien Kriminelle. Sie versuchten auch, zu der Herberge zu gelangen, wo die Frauen, Männer und Kinder untergebracht sind. Sie wurden aber von der Polizei daran gehindert.

In den Tagen zuvor hatte sich der Bürgermeister der 1,8-Millionen-Stadt, Juan Manuel Gastélum, verächtlich über die Zentralamerikaner geäußert: "Ich würde sie nicht als Migranten bezeichnen", sagte der konservative Politiker. "Sie sind ein Haufen Landstreicher und Kiffer. Ruhe und Sicherheit von Tijuana sind in Gefahr." Gastélum warf der Zentralregierung in Mexiko-Stadt vor, ihre "Arbeit nicht gemacht" und die Mittelamerikaner an ihrer Reise durch das Land nicht gehindert zu haben.

In den kommenden Tagen werden hier Tausende weitere Migranten erwartet. Insgesamt sind etwa 9000 auf dem Weg durch Mexiko mit dem erklärten Ziel USA.

Mit der Ankunft in Tijuana stellt sich für viele von ihnen die Frage, ob sie den letzten und schwierigsten Schritt der Reise wagen und versuchen sollen, in die Vereinigten Staaten zu gelangen. US-Präsident Donald Trump hat sie immer wieder vor einem Übertritt gewarnt. Er spricht von einer "Invasion" und ließ rund 5600 Soldaten entlang der 3200 Kilometer langen Grenze zu Mexiko stationieren.

Hunderte von ihnen haben noch auf mexikanischem Territorium Asyl in den USA beantragt in der Hoffnung, so eine Aufenthaltserlaubnis zu erhalten. Die Chancen sind verschwindend gering. Andere, vor allem junge Männer, wollen den beschwerlichen Weg über Wüste, Fluss und durch die Berge als Illegale wagen. Werden sie aber aufgegriffen, haben sie kein Recht mehr, Asyl zu beantragen. Trump hatte ein entsprechendes Dekret Anfang des Monats unterzeichnet.

Daher denken vor allem Familien oder allein reisende Mütter darüber nach, in Tijuana zu bleiben. Dort leben bereits Hunderte Zentralamerikaner. In der Grenzstadt werden gewöhnlich gute Löhne gezahlt, und Arbeit gibt es auch. Allerdings schwinden die Jobchancen. Seit zwei Jahren leben am Rande Tijuanas rund 3000 Haitianer, die 2016 mit gültigen Papieren in die USA einreisen wollten, aber abgewiesen wurden. Sie haben sich dauerhaft in der Grenzstadt niedergelassen, leben zum Teil in Vierteln ohne fließend Wasser und Infrastruktur.

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