Weltpolitik

Tote bei Autobombenanschlag vor Justizgebäude in Izmir

Vier Tage nach dem verheerenden Terrorangriff in der Silvesternacht in Istanbul ist die bisher ruhige westtürkische Metropole Izmir von einem tödlichen Anschlag erschüttert worden.

Bei einem Autobombenanschlag vor einem Gerichtsgebäude wurden mehrere Menschen getötet und zahlreiche weitere verletzt. Medienberichten zufolge wurden zwei Attentäter von der Polizei erschossen. Nach einem dritten werde gefahndet. Ein Polizist und ein Gerichtsangestellter seien ums Leben gekommen, verlautete aus Polizeikreisen. In Krankenhauskreisen hieß es, zehn Personen seien verletzt gebracht worden. Der Gouverneur von Izmir Erol Ayyildiz erklärte am Tatort, die bisherigen Erkenntnisse deuteten darauf hin, dass die verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK hinter dem Anschlag stecke. Ayyildiz sagte, nach der Detonation vor dem Justizgebäude sei es zu einem Schusswechsel gekommen, bei dem zwei Terroristen getötet worden seien. Die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu meldete, nach einem dritten Angreifer werde gesucht.

Bei dem Anschlag in Izmir ist laut dem türkischen Vize-Ministerpräsident Veysi Kaynak der Polizei gelungen, ein "sehr großes Massaker" zu verhindern. Die Terroristen hätten zwei Schnellfeuergewehre, eine Panzerfaust mit acht Granaten sowie acht Handgranaten mit sich geführt, erklärte der Vize-Premier.

Der Gouverneur von Izmir Erol Ayyildiz erklärte, die bisherigen Erkenntnisse deuteten darauf hin, dass die verbotene Kurdische Arbeiterpartei PKK hinter dem Anschlag stecke. Der Gouverneur sagte, die Polizei habe den zur Bombe umgebauten Wagen an einem Checkpoint vor dem Justizgebäude gestoppt. Die Terroristen seien daraufhin ausgestiegen und weggelaufen. Es sei zum Schusswechsel gekommen. Dabei hätten die Angreifer die Bombe gezündet.

Unterdessen ist der Angreifer auf die Silvesterparty in einem Club in Istanbul weiterhin auf der Flucht. Der Mann hatte kurz nach Anbruch des neuen Jahres 39 Menschen getötet. Die Verantwortung für diese Tat reklamierte die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) für sich.

Vize-Ministerpräsident Veysi Kaynak sagte im Sender A Haber über den Flüchtigen: "Er ist wahrscheinlich ein Uigure. Aber bezüglich seiner Staatsangehörigkeit will ich vorerst nichts sagen." Die Türkei setzt sich seit langem für die Uiguren ein. Die muslimische Minderheit in der Unruheregion Xinjiang in Nordwestchina ist ein Turkvolk und fühlt sich von den Chinesen unterdrückt. China wirft Ankara vor, geflüchteten Uiguren türkische Reisepässe auszustellen.

Die Identität wurde sichergestellt

Kaynak sagte: "Die Identität des Terroristen wurde von unseren Sicherheitskräften festgestellt. Es wurde auch ausgemacht, wo er sich aufhalten könnte. Unsere Sicherheitskräfte fahnden irgendwo in Silivri." Silivri liegt westlich von Istanbul. Anadolu meldete, die Polizei habe in Silivri Uiguren festgenommen, die der Beihilfe verdächtigt würden. Kaynak schloss allerdings auch nicht aus, dass dem Täter die Flucht ins Ausland gelungen sein könnte.

Zum Anschlag in Izmir sagte Gouverneur Ayyildiz, die Polizei habe den zur Bombe umgebauten Wagen vor dem Gericht stoppen wollen. Er bestätigte nicht, dass einem der Angreifer die Flucht gelungen sei. Ein zweites verdächtiges Fahrzeug sei kontrolliert gesprengt worden.

Izmir ist die drittgrößte Stadt der Türkei. Von der Eskalation der Gewalt im Land seit Sommer 2015 ist sie bisher weitgehend verschont geblieben. Schwere Anschläge waren dort seitdem nicht verzeichnet worden. Alleine in den vergangenen vier Wochen kam es in der Türkei zu einer ganzen Reihe terroristischer Angriffe, die insgesamt mehr als 100 Menschen das Leben kosteten.

Am 10. Dezember sprengten sich Attentäter der PKK-Splittergruppe TAK in Istanbul nach einem Fußballspiel in die Luft (mindestens 45 Tote). Die TAK war auch verantwortlich für einen Anschlag im zentralanatolischen Kayseri eine Woche später (14 Tote). Am 19. Dezember wurde der russische Botschafter in Ankara erschossen. In der Silvesternacht kam es dann zu dem Terrorangriff in Istanbul.

In der Nacht zu Mittwoch hatte das Parlament in Ankara beschlossen, den seit Juli geltenden Ausnahmezustand bis zum 19. April zu verlängern. Als Begründung für ihren Antrag gab die Regierung unter anderem die anhaltenden terroristischen Angriffe im Land an.

Quelle: Apa/Dpa/Ag.

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