Weltpolitik

Tote bei regierungskritischen Protesten im Kongo

Bei Zusammenstößen zwischen Polizisten und regierungskritischen Demonstranten in der Demokratischen Republik Kongo sind mindestens acht Menschen getötet worden. Sieben Menschen seien in der Hauptstadt Kinshasa, ein weiterer sei in der zentralen Stadt Kananga getötet worden, verlautete am Sonntag aus einer UNO-Quelle.

Präsident Kabila will nicht zurücktreten SN/APA (AFP)/BRYAN R. SMITH
Präsident Kabila will nicht zurücktreten

Demnach wurden landesweit zudem etwa 120 Menschen am Rande der Proteste gegen Präsident Joseph Kabila festgenommen. Rund 80 Menschen, darunter Priester, seien in Kinshasa festgenommen worden, hieß es weiter. Etwa 40 weitere Festnahmen habe es im Rest des Landes gegeben.

Die Katholische Kirche des Landes hatte zu friedlichen Protesten aufgerufen. Damit wollte sie an die Unterzeichnung eines Abkommens ein Jahr zuvor erinnern, das für 2017 die Wahl eines Nachfolgers für Staatschef Kabila vorsah. Die Behörden hatten jedoch jegliche Demonstrationen verboten.

In mehreren Kirchen in Kinshasa trieben Sicherheitskräfte Gottesdienstbesucher mit Tränengas auseinander und feuerten Warnschüsse ab. Im Zentrum der Stadt wurden zwölf junge Messdiener festgenommen, die einen Protestzug gegen Kabila anführten, wie ein Reporter berichtete. Bereits in der Nacht waren vor den Kirchen der Stadt Polizei und Armee aufmarschiert, Straßensperren wurden eingerichtet. Die Demokratische Republik Kongo, eine frühere Kolonie Belgiens, ist mehrheitlich katholisch.

Das Internet wurde "aus Gründen der staatlichen Sicherheit" abgeschaltet. Vor der St. Michaels-Kirche in Kinshasa drohte ein Armeeoffizier einem Reporterteam: Wenn die Journalisten nicht abzögen, werde er seinen Soldaten Befehl erteilen, auf sie zu schießen. Ein Journalist des französischen Radiosenders RFI wurde vorübergehend festgenommen.

Kabila weigert sich, die Macht abzugeben, obwohl seine Amtszeit offiziell bereits vor einem Jahr endete. Ursprünglich sollten 2017 Wahlen für seine Nachfolge stattfinden, doch diese wurden immer wieder verschoben. Plänen zufolge soll die Präsidentschaftswahl nun im Dezember 2018 stattfinden. Kritiker fordern, dass Kabila nicht erneut antritt.

(Apa/Ag,)

Aufgerufen am 24.04.2018 um 04:19 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/tote-bei-regierungskritischen-protesten-im-kongo-22382944

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