Weltpolitik

Tote Zivilisten bei Luftangriff gegen Taliban in Afghanistan

Wieder sind in Afghanistan bei einem Luftangriff gegen radikalislamische Taliban Zivilisten getötet worden. In der ostafghanischen Provinz Logar seien beim Beschuss des Dorfes Bari am späten Dienstagabend mindestens zwölf Zivilisten ums Leben gekommen, sagte am Mittwoch ein Mitglied des Provinzrats, Hasibullah Staneksai. Unter den Opfern seien Frauen und Kinder.

Der Angriff habe sich gegen zwei führende Talibankämpfer gerichtet, unter anderem den stellvertretenden Kommandanten für drei Provinzen im Südosten, Maulawi Nakibullah. Die hätten sich im Dorf unter Zivilisten versteckt. Nakibullah und sein Begleiter seien ebenfalls tot.

Staneksai und der Sprecher der Provinzregierung, Mohammad Salim Saleh, beschuldigten die US-Luftwaffe. Die fliegt die meisten Luftangriffe in Afghanistan. Ein Sprecher der US-Streitkräfte in Afghanistan, John Ross, sagte: "Wir sind noch dabei, das zu prüfen." Erst am Montag waren bei einem fehlgeleiteten Luftschlag des afghanischen Militärs in Westafghanistan 13 Zivilisten getötet worden.

Die Zahl der amerikanischen und der afghanischen Luftangriffe auf Taliban und auch die Terrormiliz Islamischer Staat steigt seit Monaten rasant. Bis Mitte August waren es allein mehr als 2.200 US-Luftschläge - im ganzen Jahr 2016 waren es noch gut 1.000. Angesichts der Erschöpfung der afghanischen Bodentruppen sehen Militärs Luftangriffe oft als letztes Mittel, die Islamisten zurückzudrängen. Gleichzeitig häufen sich zivile Opfer.

Laut Vereinten Nationen stieg im ersten Halbjahr 2017 die Zahl der durch Luftangriffe getöteten und verletzten Zivilisten (232) im Vergleich zu 2016 um 43 Prozent. US-Militärs waren für 37 Prozent der Opfer verantwortlich, die afghanische Luftwaffe für 48 Prozent.

Quelle: Apa/Dpa

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