Weltpolitik

"Trump, Du alter Serbe!" - Serbiens Medien entzückt

Die Zeitungen beim EU-Kandidaten Serbien feiern seit Wochen die Wahl Donald Trumps zum neuen US-Präsidenten. Während die Großen dieser Welt sich noch bemühen, mit dessen weitgehend unbekannten Mitarbeitern erste Kontakte aufzunehmen, haben die Serben vermeintlich schon allerbeste Beziehungen zum Neuen. Den Boulevardzeitungen sei dank.

Informer von Trump begeistert.  SN/APA (AFP/Symbolbild)/OLIVER BUNI
Informer von Trump begeistert.

"Trump, Du alter Serbe!", heißt es sprachlich sehr wohlmeinend in den Überschriften. Die Zeitung "Informer", die als Sprachrohr der Regierung gilt, ließ diesen Slogan sogar auf Reklametafeln im Zentrum Belgrads kleben. Der angebliche Hintergrund: Die serbische "Oma" Milka Milisavljevic will in den 80er Jahren im Trumpschen Haushalt Kindermädchen gewesen sein. Die Folge: "Wegen mir liebt Trump Serbien."

Die Belgrader Zeitung "Kurir" übermittelte vor wenigen Tagen "exklusiv" diese angebliche Aussage des neuen US-Präsidenten: "Ihr Serben seid ein wunderbares Volk. Ich will mich mit Regierungschef (Aleksandar) Vucic treffen." Das habe er dem serbischen Botschafter in Washington persönlich mitgeteilt. Jetzt könne das kleine Balkanland von Trump folgerichtig viel Gutes erwarten, heißt es in den Medien weiter. Die Rückgabe der abgefallenen Albaner-Provinz Kosovo zum Beispiel oder die Auflösung der ungeliebten NATO, die Serbien 1999 bombardiert hatte.

In wohl keinem Land Europas halten die vielen Boulevardzeitungen die Menschen so sehr in Atem wie in Serbien. "Es gibt nichts auf dieser Welt, was für Serben und Serbien keine Bedrohung darstellt", schreibt das Medienzentrum im bosnischen Sarajevo in seiner soeben veröffentlichten Analyse über die Zeitungslandschaft vor allem in Belgrad: "Überschwemmungen, Mücken, Drohnen, Albaner, Faschisten, Muslime, ausländische Söldner, heimische Verräter, die USA, die EU, die NATO, die Opposition, Flüchtlinge, der IS, das Staatsdefizit - so sieht das verzerrte Bild der Wirklichkeit aus".

Kritik kommt auch aus Serbien selbst: "Mit Lügen, Verstößen gegen die Unschuldsvermutung, der Veröffentlichung von Opferidentitäten und Darstellung von Spekulationen als Tatsachen hat die serbische Tagespresse von März bis Dezember 5447 Mal gegen den ethischen Kodex verstoßen." Das ist das Ergebnis des unabhängigen "Presserates", das vor wenigen Tagen veröffentlicht wurde. Dabei handelt es sich um ethische Richtlinien, die sich serbische Medien selbst gegeben haben.

Und so springt die Leser jeden Tag Unglaubliches, Erschütterndes und Unsagbares von den bunten Seiten des Boulevards regelrecht an. Es gibt kaum menschliche Abartigkeiten, die nicht in Bild und Text in allen Einzelheiten ausgewalzt werden. Und auch wenn in diesen wahren Horrorgeschichten oft nicht einmal das kleinste Körnchen Wahrheit zu finden ist, am nächsten Tag geht es mit neuen vermeintlichen Sensationen weiter.

Da kann es die damals neu gewählte Staatspräsidentin des Nachbarlandes Kroatien, Kolinda Grabar-Kitarovic, schon mal mit montierten Sex-Fotos auf die Titelseite schaffen oder zuletzt ein früherer Kultusminister, der nach gescheitertem Leben jetzt als Obdachloser sein Leben friste. Der Mann präsentierte sich anderen Medien erstaunt als Unidozent in geordneten häuslichen Verhältnissen.

Quelle: Apa/Dpa

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