Weltpolitik

Trump sorgt mit Äußerung zu totem US-Studenten für Empörung

US-Präsident Donald Trump hat auf die heftige Kritik an seinen Aussagen zu dem gestorbenen US-Studenten Otto Warmbier reagiert und von einem Missverständnis gesprochen. "Selbstverständlich mache ich Nordkorea für Ottos Misshandlung und Tod verantwortlich", schrieb Trump am Freitag auf Twitter. Man dürfe nicht vergessen, dass er selbst für Warmbiers Freilassung gesorgt habe.

Warmbier starb kurz nach der Überführung aus Nordkorea in den USA SN/APA (AFP/KCNA/Archiv)/KCNA VIA K
Warmbier starb kurz nach der Überführung aus Nordkorea in den USA

Er könne es nie leiden, wenn seine Aussagen falsch dargestellt würden, beklagte Trump. Im Besonderen gelte das aber für den Fall von Warmbier und dessen "großartiger Familie". Der Präsident schrieb weiter: "Ich liebe Otto und denke oft an ihn!"

Zuvor hatte sich Trump in dem Fall hinter Machthaber Kim Jong-un gestellt und damit in Washington für Empörung gesorgt. Vertreter der Demokraten warfen Trump vor, sich bereits wiederholt hinter tyrannische Machthaber gestellt zu haben. Trump sagte am Donnerstag nach Ende des Gipfeltreffens in Hanoi, er habe mit Kim über den in Nordkorea mutmaßlich schwer gefolterten Studenten gesprochen. Kim "sagt mir, dass er nichts darüber wusste, und ich nehme ihn beim Wort", erklärte er. Kim habe den Fall Warmbier "sehr gut gekannt, aber erst später davon erfahren", sagte Trump. In nordkoreanischer Haft seien "einige sehr schlimme Dinge" mit Warmbier passiert.

Warmbiers Eltern erklärten am Freitag, sie hätten sich aus Rücksicht auf das Gipfeltreffen bisher zurückgehalten, sähen sich nun aber zu einer Stellungnahme gezwungen. "Kim und sein teuflisches Regime" seien für den Tod ihres Sohnes, für "unvorstellbare Grausamkeit und Unmenschlichkeit verantwortlich". Keine "Entschuldigungen oder überschwängliches Lob können das ändern".

Der US-Student war während einer Nordkorea-Reise Anfang 2016 wegen des angeblichen Diebstahls eines Propaganda-Posters zu 15 Jahren Arbeitslager verurteilt worden. In nordkoreanischer Haft fiel er unter ungeklärten Umständen ins Koma und wurde schließlich von Nordkorea freigelassen. Wenige Tage nach seinem Rücktransport in die USA im Juni 2017 starb Warmbier. Ein US-Gericht kam zu dem Schluss, dass der 22-Jährige in Nordkorea gefoltert wurde. Pjöngjang hatte dagegen jegliche Misshandlung Warmbiers bestritten.

Dass Trump nun Kims Angaben Glauben zu schenken scheint, sorgte in den USA parteiübergreifend für empörte Reaktionen. "Natürlich wusste Kim davon", schrieb der einflussreiche demokratische Senator Mark Warner auf Twitter. "Anscheinend ist der Präsident der Vereinigten Staaten der Einzige, der diese offensichtliche Lüge glaubt."

Der demokratische Senator Tim Kaine warf Trump vor, sich an die Seite von "Diktatoren" anstelle von US-Bürgern zu stellen. Auch der Minderheitsführer von Trumps Republikanern im Repräsentantenhaus, Kevin McCarthy, kritisierte den US-Präsidenten: "Ich sehe Nordkoreas Führer nicht als jemanden an, der ein Freund ist. Wir alle wissen, was mit Otto passiert ist, wir wissen, was dieses Land getan hat."

Quelle: Apa/Ag.

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