Weltpolitik

Trump und die Royals: Ein schwieriges Verhältnis

Die Proteste gegen den angekündigten Trump-Besuch in Großbritannien lassen nicht nach. Viele machen dabei ihrem Ärger über die Politik des US-Präsidenten Luft. Aber es geht auch um die britische Königin.

Einer Wachsversion des amerikanischen Präsidenten Donald Trump wird im Madame Tussaud’s in London der letzte Schliff verliehen. SN/APA/AFP/ISABEL INFANTES
Einer Wachsversion des amerikanischen Präsidenten Donald Trump wird im Madame Tussaud’s in London der letzte Schliff verliehen.

Die Briten sorgen sich um Königin Elizabeth II. Nein, sie ist nicht krank. Sie fürchten, US-Präsident Donald Trump könnte bei einem Staatsbesuch die Queen durch seine "gut dokumentierte Frauenfeindlichkeit und Vulgarität" in Verlegenheit bringen. So heißt es in einer Petition, die Millionen Menschen unterschrieben haben. Sie wollen den Staatsbesuch mit zeremonieller Ehrung herabstufen.

Premierministerin Theresa May hatte bei ihrem Besuch in den USA eine Einladung an Trump im Namen der 90 Jahre alten Queen ausgesprochen. Dazu muss man wissen: Wer von der Elizabeth II. empfangen wird, entscheidet nicht die Königin selbst, sondern die Regierung.

Längst nicht jedes Staatsoberhaupt, das nach Großbritannien kommt, wird mit einem Staatsempfang geehrt. Dazu gehört unter anderem die Prozession in einer Kutsche über die Londoner Prachtstraße "The Mall" und ein Staatsbankett im Buckingham-Palast.

Kritiker halten May vor, die Einladung viel zu früh ausgesprochen und damit die Queen in eine missliche Situation gebracht zu haben. Hinzu kommt der Riesen-Ärger um das neue umstrittene Einreiseverbot für Menschen aus sieben mehrheitlich muslimischen Ländern in die USA. Zehntausende demonstrierten dagegen bereits in Großbritannien.

Und dann sollen die Royals auch noch Trump mit allem Tamtam empfangen müssen?, fragt die britische Presse besorgt. Allein das heikle Thema Klimawandel thematisierten gleich mehrere Zeitungen: Prinz Charles ist ein Kämpfer für den Umweltschutz - ohne Wenn und Aber. Trump hatte den Klimawandel in der Vergangenheit dagegen als Schwindel und Erfindung der Chinesen bezeichnet und ruderte nachher wieder etwas zurück. Was könnte bloß passieren, wenn die beiden bei einem Treffen in Großbritannien auf den Klimaschutz zu sprechen kämen?

Angeblich soll Trump auch diverse Extrawünsche haben, wie die Zeitung "The Telegraph" ohne Nennung konkreter Quellen berichtet. So wolle der US-Präsident eine Runde Golf auf Schloss Balmoral, der privaten Sommer-Residenz der Queen, spielen. Als Zuschauerin wünsche er sich die Königin höchstpersönlich, heißt es. Ein Sprecher des Buckingham-Palastes meinte dazu: Man kommentiere keine Spekulationen.

Auch bei despektierlichen Äußerungen Trumps über das Königshaus haben die Briten ein Elefantengedächtnis. Dazu gehört ein Kommentar, den Trump zu Oben-Ohne-Fotos von Kate, der Frau von Prinz William, gemacht hat. Zu den heimlich von Paparazzi aufgenommenen und in einer Zeitschrift veröffentlichten Fotos twitterte er: "Wer würde nicht das Bild von Kate nehmen und damit viel Geld machen, wenn sie diese Sache mit dem Nacktbaden macht. Komm' schon, Kate!"

Viele scheinen sich an all dem aber gar nicht zu stören. In einer YouGov-Umfrage sprachen sich immerhin 49 Prozent von 1705 Befragten für den Trump-Besuch aus. 36 Prozent waren dagegen. Das Ergebnis spiegelt klar die politischen Fronten in Großbritannien wider: Für den Trump-Besuch waren vor allem Anhänger der rechtspopulistischen Ukip-Partei, der Konservativen und Brexit-Befürworter, wie die Umfrage für die Zeitung "The Times" ergab. Für eine Absage des Besuchs waren vor allem Labour-Anhänger und Brexit-Gegner.

Die Regierung hält an ihrer Einladung fest, auch wenn noch kein konkreter Termin feststeht. Daran ändere auch die Petition nichts, sagte ein Regierungssprecher. May ließ wissen, sie sei "sehr glücklich gewesen", Trump nach Großbritannien einzuladen.

Bislang wurde US-Präsidenten die Ehre eines Staatsbesuchs meist erst Jahre nach ihrer Amtseinführung zuteil. Was die Queen über das alles denkt, ist unbekannt. Sicher ist, brüskieren würde sie Trump und May nie. Dazu hat sie schon zu viele Regierungen kommen und gehen sehen - auch US-Präsidenten.

Quelle: Dpa

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