Weltpolitik

Trump vertraut Kim

Der mit Spannung erwartete Gipfel diente vor allem zum Kennenlernen. Nun erst sollen die ernsthaften Verhandlungen über Nordkoreas Atomwaffen beginnen.

Unterwegs im tropischen Garten. SN/AP
Unterwegs im tropischen Garten.



US-Präsident Donald Trump interessierte sich plötzlich für die Pflanzen im Garten des luxuriösen Capella Hotels. Kim Yong Un, der aus der Isolierung ausgebrochene Diktator, machte das Spiel mit. Interessiert inspizierte er die blütenlosen immergrünen Stauden im tropischen Garten der Anlage. Der Spaziergang führte der beiden Männer, die sich vor einem halben Jahr noch mit unflätigen Schimpfnamen bedacht hatten, nach ihrem Gespräch und einem knapp einstündigen Arbeitsessen zum "Biest", wie der Dienstwagen des amerikanischen Präsidenten genannt wird. Trump erlaubte Kim einen kurzen Blick in das Innere des tonnenschweren, gepanzerten Fahrzeugs, dessen Ausstattung streng geheim gehalten wird.

Es war ein bemerkenswerter Wandel im Verhältnis eines US-Präsidenten und eines Staatschefs aus Nordkorea; zwei Länder, die sich seit 1953 theoretisch im Kriegszustand befinden. Kim lächelte, als er kurz nach neun Uhr morgens Ortszeit vor einer Phalanx aus rot-weiß-blauen Flaggen - farblich passen die Banner der USA und Nordkoreas blendend zueinander - dem Mann die Hand schüttelte, den er vor sechs Monaten noch als "senilen Greis" heruntergeputzt hatte. Der an Schlafmangel leidende Trump - "Ich habe seit 25 Stunden nicht geschlafen" - dirigierte den um zwei Köpfe kleineren Nordkoreaner immer wieder mit weit ausholendem Arm durch das Hotel.

"Ich habe Kim als sehr talentierten Mann kennen gelernt, der sein Land sehr liebt", schwärmte Trump schließlich. Kim und Trump bemühten sich zum Schluss ihres historischen Treffens um den Eindruck, die Welt habe sich während des "epochalen Ereignisses" - so der Text der gemeinsamen Erklärung - grundsätzlich geändert.

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