Weltpolitik

Trump weckt hohe Erwartungen an Gipfel mit Kim Jong-un

US-Präsident Donald Trump hat vor dem Gipfel mit Kim Jong-un hohe Erwartungen geweckt und sogar eine Einladung an den nordkoreanischen Machthaber in die USA nicht ausgeschlossen. "Wir haben das Potenzial, etwas Unglaubliches für die Welt zu schaffen. Und es ist mir eine Ehre, daran beteiligt zu sein", sagte Trump am Donnerstag bei einer Pressekonferenz mit Japans Regierungschef Shinzo Abe.

Premierminister Abe und Präsident Trump beraten wegen Nordkorea SN/APA (AFP)/NICHOLAS KAMM
Premierminister Abe und Präsident Trump beraten wegen Nordkorea

Trump schloss jedoch grundsätzlich selbst eine kurzfristige Absage des Gipfels nicht völlig aus. Er bekräftigte auch seine Absicht, den Verhandlungstisch verlassen zu wollen, sollte er mit dem Verlauf der Gespräche nicht zufrieden sein.

Trump und Kim wollen sich am 12. Juni im asiatischen Stadtstaat Singapur treffen. Der US-Präsident will das abgeschottete kommunistische Regime dazu bewegen, vollständig atomar abzurüsten. Über die Abrüstungsfrage gibt es auf beiden Seiten unterschiedliche Vorstellungen.

Trump sagte, dass das Ziel der nuklearen Abrüstung Nordkoreas möglicherweise nicht bei einem einzigen Gipfeltreffen zu erreichen sei. Er halte es aber für möglich, dass es zu einem Friedensabkommen mit dem Land kommen könnte. Nach dem 1953 militärisch beendeten Koreakrieg hat es nie einen Friedensvertrag gegeben.

Auf die Frage, ob er Kim Jong-un in die USA einladen werde, sagte Trump, wenn der Gipfel am 12. Juni gut laufe, werde er dies sicherlich tun. Als Ort dafür brachte er das Weiße Haus ins Spiel.

Das Treffen mit Japans Ministerpräsident Abe, dessen Land an der Situation auf der koreanischen Halbinsel große eigene Interessen hat, sollte zur Vorbereitung des Singapur-Gipfels dienen.

Abe erklärte, er erhoffe sich von dem Gipfel die Möglichkeit zu mehr Frieden und Stabilität. "Dies wird ein dramatischer Moment des Wandels", sagte er. Er sicherte Trump die Unterstützung Japans zu.

Abe sprach auch das Problem von nach Nordkorea verschleppten Japanern an. In den 1970er und 1980er-Jahre hatte Nordkorea mehrfach Japaner entführt. Für Tokio ist das Thema der Entführungen neben dem nordkoreanischen Atomprogramm mit das größte Hindernis für eine Normalisierung der Beziehungen beider Länder.

Abe warb bei Trump dafür, dass er die Entführten in den Verhandlungen mit Kim ansprechen solle. Das Problem müsse gelöst werden, sagte er laut einer Übersetzerin. Trump sicherte ihm zu, dass er auf das Thema eingehen werde.

Der US-Präsident hatte schon vor der gemeinsamen Pressekonferenz erklärt, dass er startklar für den Gipfel mit Kim sei. Er glaube, er sei sehr gut auf das Treffen vorbereitet, sagte Trump. "Ich glaube nicht, dass ich mich sehr vorbereiten muss. Es geht um die Grundhaltung. Es geht um die Bereitschaft, Dinge erledigen zu wollen." Er erneuerte seine Forderung, Nordkorea müsse seine Atomwaffen abrüsten, und bekräftigte, die Sanktionen vorher nicht lockern zu wollen.

US-Außenminister Mike Pompeo erklärte, Kim habe ihm seine Bereitschaft zur Denuklearisierung bei seinen Besuchen in Pjöngjang persönlich versichert. Er habe den Eindruck, in Nordkorea sei verstanden worden, um was es den USA gehe. Es gebe Hoffnung, dass in Pjöngjang Einsicht herrsche, dass der bisher eingeschlagene Weg nicht der richtige Weg sei.

Statt von "atomarer Abrüstung" sprechen die USA sowie Süd- und Nordkorea von einer "Denuklearisierung". Das ist ein bewusst gewählter, schwammiger Begriff, der Diplomaten Spielraum in Verhandlungen lässt. In der innerkoreanischen Gipfelerklärung vom 27. April ist beispielsweise vage vom Ziel einer "atomwaffenfreien Halbinsel durch komplette Denuklearisierung" die Rede.

Die USA wollen eine "vollständige, überprüfbare und unumkehrbare Denuklearisierung" Nordkoreas - und das möglichst schnell. Nordkorea will aber nicht einseitig seine Atomwaffen aufgeben. Strittig ist auch der Umfang der nuklearen Abrüstung. Ob beispielsweise außer atomaren Sprengköpfen auch Atomanlagen wie zur Urananreicherung beseitigt werden oder die USA ihre Streitkräfte aus Südkorea abziehen und ihre Fähigkeiten zu einem nuklearen Gegenschlag aufgeben sollen.

Trumps Anwalt Rudy Giuliani hatte Nordkorea zuvor laut einem Zeitungsbericht brüskiert. Nach Angaben des "Wall Street Journal" sagte er bei einer Konferenz in Tel Aviv, Kim habe "auf Händen und Knien" um ein Gipfeltreffen mit Trump gebettelt. Dies sei "exakt die Position, in die man ihn bringen will." Nun hätten die USA die Oberhand.

Das Weiße Haus wies Spekulationen zurück, der frühere US-Basketballstar Dennis Rodman werde kommende Woche an dem Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem nordkoreanischen Machthaber Kim Jong-un teilnehmen. Rodman sei "großartig" auf dem Feld gewesen, "aber Verhandlungen sollten denjenigen überlassen werden, die gut darin sind", sagte der Vizesprecher des Weißen Hauses, Hogan Gidley, am Donnerstag dem erzkonservativen Sender Fox.

"Trump ist der Beste", fügte Gidley hinzu. Trump und Kim würden eine "fantastische Unterhaltung ohne Rodman im Schlepptau" haben. Zuvor hatte die "New York Post" berichtet, Kim-Freund Rodman halte sich am Dienstag in Singapur auf. Das historische Gipfeltreffen zwischen Trump und Kim findet am Dienstag in einem Luxushotel in dem Stadtstaat statt.

Der ehemalige Basketball-Champion Rodman ist bisher mindestens fünf Mal nach Nordkorea gereist. Er bezeichnet Kim als "Freund fürs Leben". Im vergangenen Jahr brachte er Kim ein Exemplar von Trumps Bestseller "The Art of the Deal" von 1987 mit. Für seine private Nordkorea-Diplomatie hat Rodman, dessen Spitzname in der NBA "Der Wurm" war, viel Spott und Kritik geerntet.

Quelle: Apa/Ag.

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