Weltpolitik

Trumps Handelsminister verlegte 2700 US-Jobs ins Ausland

Der designierte US-Handelsminister Wilbur Ross hat als Geschäftsmann Tausende amerikanische Arbeitsplätze ins Ausland verlegt. Das geht aus Daten des US-Arbeitsministeriums hervor, die Reuters auswertete. Demnach wurden durch sein Handeln seit 2004 etwa 2.700 Stellen in der Textil-, Finanz- und Autozuliefererbranche vernichtet.

Wilbur Ross soll neuer Handelsminister werden.  SN/APA (GETTY IMAGES NORTH AMERICA)
Wilbur Ross soll neuer Handelsminister werden.

Zwar bescheinigen auch Gewerkschaftsführer dem Milliardär Ross, während dieser Zeit Tausende von Industriestellen in den USA gesichert zu haben. Allerdings beißen sich die Vorgänge mit dem erklärten Ziel seines künftigen Chefs, dem nächsten Präsidenten Donald Trump, Jobs im Inland zu halten. Ross' Nominierung muss vom Senat bestätigt werden. Die Anhörungen dazu beginnen am Mittwoch.

Das Vermögen von Ross wird auf 2,5 Milliarden Dollar (knapp 2,4 Milliarden Euro) geschätzt. Einen Teil davon machte er vor einem Jahrzehnt durch die Sanierung von angeschlagenen amerikanischen Industriekonzernen. Reuters-Zahlen zeigen, dass er unter anderem zwei Textil-Unternehmen aus North Carolina zur International Textile Group (ITG) zusammenfasste. Von 2005 bis 2011 wurden dabei etwa 1.300 Stellen in den USA gestrichen und dafür Teile der Produktion nach Mexiko, China und Nicaragua verlegt. Ähnlich wurde 2007 bei der International Automotive Components Group (IAC) verfahren. Dabei gingen etwa 850 Stellen nach Mexiko.

Eine Stellungnahme von Ross war nicht zu erhalten. Die Zahl der ausgelagerten Arbeitsplätze ist im Vergleich zu anderen Unternehmen und Branchen nicht groß. So verlegte allein der Autoteilezulieferer Delphi seit 2004 etwa 11.700 US-Stellen ins Ausland. Der Präsident der Gewerkschaft United Steelworkers, Leo Gerard, hat den Milliardär dafür gelobt, über die Jahre Tausende amerikanische Arbeitsplätze gerettet zu haben.

Auch ein Trump-Sprecher verteidigte Ross' Vorgehen. "Nur wenige Leute haben so viel wie Wilbur Ross dafür getan, um amerikanische Jobs zu schützen und gute Deals für den amerikanischen Arbeiter auszuhandeln", sagte er. Die Personalentscheidungen in den Zulieferer- und Textilfirmen seien getroffen worden mit dem Ziel, die Fertigungsstätten nah am Kunden anzusiedeln und die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Diese Argumentation entspricht der der Autohersteller, die von Trump wegen des Baus von Fabriken im Ausland kritisiert wurden.

Indes hat Donald Trump mit anderen Problemen zu kämpfen. Wenn er am Freitag sein Amt als US-Präsident antritt, wird er das laut einer aktuellen Umfrage mit derart sagenhaft schlechten Umfragewerten tun, wie sie in der jüngeren Geschichte ihresgleichen suchen - und nicht finden: Gerade 40 Prozent sind demnach davon überzeugt, wie Trump den Amtsübergang bisher gestaltet hat, zeigt eine von CNN am Dienstag veröffentlichte Umfrage.

Damit liegt er 44 Prozentpunkte hinter dem noch amtierenden Präsidenten Barack Obama, der 2009 in seine Amtsperiode mit 84 Prozent Zustimmung gestartet war. Bill Clinton begann mit 67 - und selbst George W. Bush konnte nach seinem höchst umstrittenen Sieg über Al Gore im Jahr 2001 auf 61 Prozent Zustimmung bauen, als er in das Weiße Haus einzog.

Die vom Institut ORC International im Auftrag von CNN durchgeführte Telefonumfrage befragte von 12. bis 15. Jänner rund 1.000 Personen. Sie meinen mehrheitlich (53 Prozent), dass Trumps Aussagen und Taten seit seiner Wahl ihr Vertrauen in seine Fähigkeiten als Präsident geschmälert hätten. Neben den vier Prozent Unentschiedenen sind jeweils 48 Prozent der Meinung, dass der Immobilienmilliardär ein guter bzw. schlechter Präsident sein wird.

Quelle: Apa/Ag.

Aufgerufen am 17.11.2018 um 08:47 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/trumps-handelsminister-verlegte-2700-us-jobs-ins-ausland-521068

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