Weltpolitik

Trumps künftige Außenpolitik: Liebesgrüße nach Moskau

Die Beziehungen zwischen Washington und Moskau sind so frostig wie seit langem nicht mehr. Das könnte sich bald ändern.

Weihnachtlich glänzet der Trump: Der künftige US-Präsident Donald. SN/APA/AFP/DON EMMERT
Weihnachtlich glänzet der Trump: Der künftige US-Präsident Donald.

Rund drei Wochen vor dem Ende seiner Amtszeit hat US-Präsident Barack Obama zu einem ungewöhnlich harten Schlag gegen Russland ausgeholt. Als Reaktion auf mutmaßlich russische Hackerangriffe während des Präsidentschaftswahlkampfes verhängte er am Donnerstag Sanktionen gegen die Geheimdienste GRU und FSB sowie gegen mehrere Personen und Unternehmen.

Zudem verwies das Außenministerium 35 Russen mit Diplomatenstatus des Landes.

Es ist ein Paukenschlag zum Abschied des scheidenden Präsidenten Barack Obama.

Sein Nachfolger Donald Trump gilt dagegen als Kreml-freundlich und macht aus seiner Bewunderung für den russischen Präsidenten Wladimir Putin keinen Hehl.

Russland übt seit Langem eine Faszination auf Trump aus.

2013 gastierte sein Schönheitswettbewerb Miss Universe in Moskau. Womöglich werde er dort Putin treffen, frohlockte er damals im Kurzbotschaftendienst Twitter. "Und falls ja, wird er mein neuer bester Freund?"

Doch der von Trump bewunderte Kreml-Chef schickte damals nur einen engen Mitarbeiter und ein Geschenk.

Das gescheiterte Treffen reihte sich ein in Trumps lange Liste von missglückten Versuchen, als Geschäftsmann in Russland Fuß zu fassen. Das Land begeisterte ihn nicht nur wegen der Hoffnung auf lukrative Immobiliengeschäfte, sondern er bewunderte auch die starken Männer im Kreml.

Ein Luxushotel gegenüber dem Kreml

In seinem Buch "Die Kunst des Erfolgs" berichtete Trump, dass sein Interesse an der damaligen Sowjetunion 1986 nach einem Arbeitsessen mit dem sowjetischen Botschafter Juri Dubinin geweckt worden sei. Es habe sich herausgestellt, dass Dubinins Tochter Artikel über seinen Trump Tower in New York gelesen habe "und alles darüber wusste". Eine neue Geschäftsidee war geboren: ein großes Luxushotel gegenüber des Kremls.

Im Jahr darauf reiste Trump nach Moskau, um mögliche Standorte für das Hotel zu besichtigen. Doch aus dem Geschäft wurde nichts. Denn in den kommenden Jahren machte Trump die Pleite seiner Casinos in Atlantic City zu schaffen.

Erst 1997 unternahm er einen neuen Anlauf in Russland. Er nahm Kontakt auf zu dem aufstrebenden Politiker Alexander Lebed und schmiedete erneut Hotel-Pläne. Zwar wurde das Projekt auch nach einer weiteren Russlandreise des US-Milliardärs nicht umgesetzt, doch Trumps Begeisterung hielt an.

Moskaus Trump-Tower kam nie zustande

2005 startete Trump einen neuerlichen Anlauf in Moskau. Er unterzeichnete mit der New Yorker Bayrock-Gruppe, deren Geschäftsführer aus der Sowjetunion stammten, einen Vertrag für einen Trump Tower in der russischen Hauptstadt. Auch diese Pläne verliefen im Sande. "Russland ist einer der weltweiten Hotspots für Investitionen. Eines Tages werden wir in Moskau sein", erklärte Trump damals.

2007 sang er ein Loblied auf den russischen Präsidenten: "Ob man ihn mag oder nicht, er leistet großartige Arbeit, um das Image von Russland und das Land wieder aufzubauen." In einem späteren Interview legte er nach: "Ich mag Wladimir Putin wirklich. Ich respektiere ihn. Er macht seinen Job gut, viel besser als unser (George W.) Bush."

In einem 2011 erschienenen Buch lobt er Putins "Intelligenz und seine Geradlinigkeit". Zwei Jahre später, als der Miss-Universe-Wettbewerb in Moskau gastierte, unterzeichnete Trump einen weiteren Vertrag für einen Trump Tower in der Nähe des Kremls. Auch dieses Vorhaben wurde nie umgesetzt.

Doch an Trumps Wertschätzung für Russland und seinen Präsidenten änderte dies nichts. "Er erteilt unserem Präsidenten eine Lehrstunde. Niemals zuvor sah unser Land so schwach aus", twitterte er im September 2013, nachdem der Kreml-Chef in der "New York Times" seine Syrien-Politik verteidigt hatte.

Auch im Wahlkampf plädierte Trump für eine Annäherung der USA an Russland. Vorwürfe gegen den Kreml etwa mit Blick auf die Ermordung kritischer Journalisten wies er stets zurück. "Es wurde nie bewiesen, dass er (Putin) jemanden umgebracht hat", sagte Trump dem Sender ABC. Sein Wahlsieg wurde in Moskau mit Wohlwollen aufgenommen. Einem Treffen mit Putin steht nach Trumps Amtsantritt am 20. Jänner nichts im Wege.

Quelle: Paul Handley, Afp

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