Weltpolitik

Trumps neue Zielscheibe ist ein Gewerkschafter

Und täglich grüßt der künftige US-Präsident mit neuen Twitter-Attacken: Neueste Zielscheibe der zornigen Kurzbotschaften von Donald Trump ist ein Gewerkschafter. Chuck Jones, Chef der Stahlarbeitergewerkschaft United Steelworkers 1999, hat es gewagt, Trump falsche Versprechungen hinsichtlich des Stellenerhalts in der Carrier-Fabrik im Staat Indiana vorzuhalten.

Trumps neue Zielscheibe ist ein Gewerkschafter SN/APA (AFP)/TIMOTHY A. CLARY
Trump legt sich mit Gewerkschaft an.

Jones habe als Gewerkschafter einen "furchtbaren Job" geleistet, schrieb der gewählte Präsident und fügte hinzu: "Kein Wunder, dass Unternehmen aus dem Land flüchten!". In einem späteren Twitter-Eintrag schrieb Trump, wenn Jones' Gewerkschaft etwas tauge, dann hätte sie die Jobs in Indiana gerettet: "Verwendet mehr Zeit aufs Arbeiten und weniger aufs Reden", forderte er die Gewerkschafter auf.

Jones berichtete dem Fernsehsender MSNC, dass er seit Trumps Attacken telefonische Drohungen erhalte. Zwar habe ihm kein Anrufer gesagt, ihn töten zu wollen. Aber es seien Sachen gesagt worden wie: "Du achtest besser auf Deine Kinder" oder "Wir wissen, welches Auto Du fährst." Jones sagte aber, er sei nicht besorgt. Er mache den Gewerkschafts-Job seit 30 Jahren und habe schon viele Drohungen gehört.

Der Gewerkschafter hatte den designierten Präsidenten dafür kritisiert, bei seinem Auftritt in der Carrier-Fabrik am Donnerstag vergangener Woche "Unwahrheiten" verkündet zu haben. Trump hatte für sich beansprucht, durch seine direkte Intervention rund 1.100 Carrier-Stellen vor der Verlagerung nach Mexiko bewahrt zu haben.

Tatsächlich sagte der Hersteller von Klimaanlagen und Heizungen laut Jones aber lediglich den Erhalt von 800 Jobs in der Produktion zu. Trump habe offensichtlich die Rettung von weiteren 350 Stellen im Ingenieurbereich für sich reklamiert, obwohl die Verlagerung dieser Stellen nie geplant gewesen sei. Dies bedeute, dass 550 seiner Gewerkschaftsmitglieder weiterhin ihre Stellen verlieren sollten, sagte Jones dem TV-Sender CNN.

Trumps Deal mit Carrier war auch deshalb vielfach kritisiert worden, weil im Gegenzug für den Stellenerhalt der Firma ein massiver Steuererlass durch den Staat Indiana zugesagt worden war. Er beläuft sich auf insgesamt sieben Millionen Dollar (6,6 Millionen Euro) über einen Zeitraum von zehn Jahren.

Jones sagte der Zeitung "Washington Post", seine Gewerkschaft sei an den Verhandlungen zwischen Trump und Carrier nicht beteiligt gewesen. Zu den Attacken des designierten Präsidenten bemerkte er, er habe keine Zeit, sich über Trump Gedanken zu machen. Er sei damit beschäftigt, seinen Gewerkschaftsmitgliedern Mut zu machen.

Trump solle sich besser darum kümmern, seine Kabinettsposten zu besetzen - "und er soll mich, verdammt noch mal, in Ruhe lassen", sagte der Gewerkschafter.

Quelle: Apa/Ag.

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