Weltpolitik

Türkei bereit für Angriff auf IS-Hochburg Raqqa

Die Türkei ist nach Angaben von Präsident Recep Tayyip Erdogan bereit, gemeinsam mit den USA die Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) aus der syrischen Stadt Rqqa zu vertreiben. US-Präsident Barack Obama habe am Rande des G-20-Gipfels ein gemeinsames Vorgehen in Raqqa vorgeschlagen, zitierte die Zeitung "Hürriyet" am Mittwoch Äußerungen Erdogans auf dem Rückflug von dem Treffen in China.

Raqqa gilt als Hauptstadt des IS in Syrien. Die genaue Rolle der Türkei bei einer gemeinsamen Aktion müsse in weiteren Gesprächen geklärt werden. "Wir haben gesagt, lasst unsere Soldaten zusammenkommen, es wird gemacht, was nötig ist", sagte Erdogan.

Die Türkei ist Ende August in Syrien einmarschiert mit der Ankündigung, sie wolle die IS-Extremisten, aber auch die syrischen Kurden aus dem Grenzgebiet vertreiben. Die türkische Offensive richtete sich zunächst gegen die von den Islamisten beherrschte Stadt Jarablus. Mittlerweile ist der IS von dort vertrieben und die türkische Armee kontrolliert nach eigenen Angaben einen 90 Kilometer breiten Streifen syrischen Territoriums. Von dort setzt sie ihre Angriffe in Richtung Süden fort.

Das türkische Vorgehen ist sowohl vom NATO-Partner USA als auch von Russland kritisiert worden, das erst kürzlich einen engen Schulterschluss mit der Regierung in Ankara demonstrierte. Die USA unterstützen die Miliz der syrischen Kurden, die den IS dort effektiv bekämpfte. Diese Miliz ist nun aber auch im Visier der türkischen Armee. Russland, das den türkischen Angriff auf den IS unterstützte, ist seinerseits darüber verärgert, dass Erdogan seine Truppen vom Grenzgebiet aus weiter nach Süden vorstoßen lässt. Die Türkei solle sich aller Maßnahmen enthalten, die die Lage weiter destabilisieren könnte, erklärte das Außenministerium in Moskau.

Nach Jarablus kehrten am Mittwoch die ersten Bewohner zurück, die vor dem IS aus der Stadt geflohen waren. Die Rückkehr der Syrer habe begonnen, erklärte ein Sprecher des Gouverneurs der türkischen Provinz Gaziantep, in der viele Einwohner von Jarablus Zuflucht gesucht hatten. Die Vereinten Nationen (UN) warnten indes, dass die Lage in der Region noch nicht sicher sei.

Unterdessen gehen die Kämpfe auch in anderen Teilen Syriens unvermindert weiter. In der westsyrischen Provinz Hama sind nach UN-Angaben rund 100.000 Menschen auf der Flucht.

Die syrische Armee wies den Vorwurf zurück, sie habe in den Kämpfen um Aleppo Chlorgas eingesetzt. "Wir haben Waffen dieser Art nicht verwendet und werden dies auch niemals tun", hieß es in Armeekreisen am Mittwoch. Der Vorwurf sei der Versuch der Rebellen, von ihren Verlusten abzulenken. Die Hilfsorganisation Syrische Zivilverteidigung, die in den von Rebellen gehaltenen Gebieten im Einsatz ist, hatte berichtet, dass Hubschrauber des syrischen Militärs Fassbomben mit Chlorgas über dem Osten Aleppos abgeworfen hätten. Nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte kam bei dem Angriff am Dienstag ein Mensch ums Leben, Dutzende litten demnach an Erstickungsanfällen.

Die UN-Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) hatte vergangenen Monat nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters festgestellt, dass die syrische Regierung in zwei Fällen 2014 und 2015 Chlorgas eingesetzt hat. Der IS habe seinerseits den Kampfstoff Senfgas verwendet.

Quelle: Apa/Ag.

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