Weltpolitik

Türkei und Iran warnen vor humanitärer Katastrophe in Idlib

Sowohl die Türkei als auch der Iran haben vor einer humanitären Katastrophe in der nordsyrischen Provinz Idlib gewarnt. Angesichts der erwarteten Offensive der syrischen Armee auf die Rebellen-Enklave rief der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan die internationale Gemeinschaft zum Handeln auf. Ein Großangriff auf Idlib berge Sicherheitsrisiken für die Türkei, Europa und darüber hinaus.

Laut Erdogan berge ein Gro§angriff enorme Sicherheitsrisiken SN/APA (AFP)/BULENT KILIC
Laut Erdogan berge ein Gro§angriff enorme Sicherheitsrisiken

Andernfalls werde "die ganze Welt den Preis dafür zahlen müssen", mahnte Erdogan in einem am Dienstag veröffentlichten Beitrag für die Zeitung "Wall Street Journal". Russland und der Iran hätten die Verantwortung, die humanitäre Katastrophe in der Region zu beenden. Beide unterstützen die syrische Armee. Der Sonderbeauftragte des iranischen Außenministeriums, Jabar Ansari, sagte in Genf: "Wir sind auch besorgt."

Auch Frankreich hat vor der Gefahr "eines humanitären Desasters und eines Sicherheitsdesasters" gewarnt. Es gebe ein Risiko, weil sich in dieser Zone in Syrien sehr viele jihadistische Gruppen aufhielten, sagte der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian am Dienstag im Sender BFMTV

Am Wochenende hatten syrische und russische Kampfjets bereits umfangreiche Angriffe auf Rebellenstellungen in Idlib geflogen. Die Provinz an der Grenze zur Türkei ist das letzte große zusammenhängende Gebiet der Aufständischen. In Idlib leben knapp drei Millionen Menschen. UNO-Angaben zufolge sind dort über 30.000 Menschen auf der Flucht. Am Freitag waren Bemühungen der Türkei bei einem Gipfeltreffen mit Russland und Iran gescheitert, einen Waffenstillstand für die Provinz zu vereinbaren.

In Deutschland wird indes über eine mögliche militärische Beteiligung der Bundeswehr diskutiert, die laut einem am Montag erstellten Gutachten des wissenschaftlichen Dienstes des Bundestages sowohl gegen das Völkerrecht als auch gegen das deutsche Grundrecht verstößt. "Eine etwaige Beteiligung der Bundeswehr an einer Repressalie der Alliierten in Syrien in Form von 'Vergeltungsschlägen' gegen Giftgas-Fazilitäten" sei völker- und verfassungswidrig", heißt es darin. Demnach dürfte die Regierung in Berlin dem Parlament einen solchen Einsatz gar nicht zur Abstimmung vorlegen.

Die Regierung hatte am Montag offen gelassen, ob sich Deutschland an Angriffen auf syrische Stellungen beteiligen würde. US-Regierungsvertreter hatten gesagt, sie hätten Kenntnisse, dass die syrische Regierung sich auf den Einsatz von Chemiewaffen vorbereite. Dies hat Überlegungen in den Regierungen der USA, Frankreichs und Großbritanniens ausgelöst, wie man reagieren solle.

Die Stiftung "Pro Oriente" berichtete am Dienstag, dass vor wenigen Tagen die südlich der Frontlinie zwischen der syrischen Armee und den islamistischen Milizen liegende Kleinstadt Maharda Ziel eines Raketenangriffs der in Idlib verschanzten Islamisten geworden sei. Dabei wurden in der ausschließlich von griechisch-orthodoxen Christen und einer evangelisch-presbyterianischen Minderheit bewohnten Stadt neun Menschen getötet; darunter drei Kinder, deren Mutter und Großmutter. Mehr als 20 Personen seien verletzt worden.

Mindestens 21 Kämpfer der Regierungstruppen wurden im Süden Syriens bei einem Hinterhalt der Jihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) getötet. Der Angriff habe sich am Montagabend in der Wüste bei Tulul al-Safa in der Provinz Sweida ereignet, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (OSDH) am Dienstag.

Bei anschließenden Kämpfen seien auch acht Jihadisten getötet worden, hieß es. Die amtliche syrische Nachrichtenagentur SANA berichtete von "intensiven Kämpfen gegen die Terroristen" der IS-Miliz in Sweida und gezielten Luft- und Artillerieangriffen auf Stellungen der Gruppe in einer felsigen Gegend in der Wüste im Osten der Provinz.

Quelle: Apa/Ag.

Aufgerufen am 19.09.2018 um 03:18 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/tuerkei-und-iran-warnen-vor-humanitaerer-katastrophe-in-idlib-39900529

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