Weltpolitik

Türkei wirft Deutschland "Hexenjagd" in Ditib-Affäre vor

Im Zusammenhang mit den Spitzel-Vorwürfen gegen den Moscheeverband Ditib hat die Türkei den deutschen Behörden eine "Hexenjagd" vorgeworfen. Statt gegen "Terrororganisationen" wie etwa die verbotene Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) vorzugehen, finde in Deutschland eine "Verfolgung von Ditib-Mitgliedern" statt, sagte der Sprecher von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, Ibrahim Kalin, in Ankara.

Ditib wird Spionagetätigkeit vorgeworfen.  SN/APA (dpa)/OLIVER BERG
Ditib wird Spionagetätigkeit vorgeworfen.

Anschuldigungen gegen den Moscheeverband seien zudem "haltlos" und das Vorgehen gegen Ditib "politisch motiviert", so Kalin. Ditib-Imame stehen im Verdacht, Informationen über mutmaßliche Gülen-Anhänger gesammelt und in die Türkei übermittelt zu haben. Ankara macht den in den USA lebenden Prediger Fethullah Gülen für den Putschversuch vom Juli 2016 verantwortlich. Die türkische Religionsbehörde Diyanet, die dem Amt des Ministerpräsidenten untersteht, entsendet Imame an die Ditib-Moscheen in Deutschland.

Diyanet-Chef Mehmet Görmez hatte eingeräumt, dass sechs inzwischen aus Deutschland abgezogene Imame Informationen über mutmaßliche Anhänger der Gülen-Bewegung in Deutschland weitergeleitet hatten. Er betonte jedoch: "Es gibt keine Spionagetätigkeit." Wegen der Spitzel-Vorwürfe hatten Ermittler vergangene Woche die Wohnungen von vier Imamen in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz durchsucht.

Auch in Österreich gibt es polizeiliche Ermittlungen, nachdem der Grün-Abgeordnete Peter Pilz Spionagevorwürfe gegen ATIB (Türkisch-Islamische Union) sowie gegen andere, mit dem türkischen Staat verbundene Einrichtungen und Organisationen in Österreich den Vorwurf erhoben hat, mutmaßliche politische Gegner Erdogans in Österreich zu "bespitzeln". Laut einem kürzlich im "Spiegel" erschienen Bericht haben türkische Diplomaten in mehreren europäischen Ländern, darunter auch in Österreich, Regierungsgegner ausspioniert.

Quelle: Apa/Dpa

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