Weltpolitik

Tunesien: Abschiebung Amris vor Berlin-Anschlag akzeptiert

Das tunesische Außenministerium hat die Abschiebung des mutmaßlichen Attentäters von Berlin eigenen Angaben zufolge zwei Tage vor der Tat akzeptiert gehabt. Am Samstag vor dem Anschlag auf den Weihnachtsmarkt hätten die tunesischen Behörden ihr Einverständnis für die Abschiebung Anis Amris in sein Heimatland gegeben, sagte Sprecher Radhouane Ayara der Deutschen Presse-Agentur am Montag.

Amri wurde am Freitag in Mailand getötet.  SN/APA (AFP)/DANIELE BENNATI
Amri wurde am Freitag in Mailand getötet.

Zuvor sei seine Identität überprüft und bestätigt worden. Ein erster Abschiebungsversuch sei an einer falschen Identität gescheitert.

"Tunesien hat das Abschiebeverfahren nach diplomatischem Brauch uneingeschränkt eingehalten". Das nordafrikanische Land reagierte damit auf Druck aus Deutschland, Abschiebungen schneller und in größerer Anzahl zuzustimmen.

Der polnische Lkw-Fahrer, der nach dem Anschlag tot auf dem Beifahrersitz gefunden wurde, hatte nach "Bild"-Informationen schon Stunden vor der Tat einen Kopfschuss erlitten. Bisher war vermutet worden, dass der Mann noch kurz vor dem Anschlag mit dem Attentäter im Führerhaus gekämpft hatte.

Die abschließenden Obduktionsergebnisse hätten ergeben, dass der Pole am Tag der Bluttat schon zwischen 16.30 und 17.30 Uhr einen Kopfschuss erlitten und viel Blut verloren habe, berichtete die "Bild"-Zeitung am Montagabend in ihrem Onlineportal. Möglich sei, dass er zum Zeitpunkt des Attentats noch gelebt habe.

Der 37-jährige Lastwagenfahrer hatte seinen Sattelschlepper am 19. Dezember in Berlin geparkt, um auf die Entladung seiner Fracht zu warten. Nach Angaben des Spediteurs war er etwa ab 16.00 Uhr telefonisch nicht mehr erreichbar. Kurz nach 20.00 Uhr steuerte der Attentäter den Lastwagen auf den Weihnachtsmarkt. Auf dem Markt starben elf Menschen, mehr als 50 wurden verletzt.

Der Familienvater, der für eine Spedition in Stettin arbeitete, wurde erschossen auf dem Beifahrersitz gefunden. In einer Online-Petition wird zurzeit das Bundesverdienstkreuz für den Mann gefordert. Die Initiatorin schrieb auf der Plattform Change.org, er sei ein Held, weil sein Ringen mit dem Täter vermutlich viele Menschenleben gerettet habe.

Deutsche Politiker fordern unterdessen das deutsche Bundesverdienstkreuz für die beiden italienischen Polizisten, die den mutmaßlichen Attentäter von Berlin gestoppt haben. Die beiden Beamten hätten "für ihr entschiedenes Handeln eine Auszeichnung verdient", sagte der CSU-Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Uhl der "Bild"-Zeitung. In Frage käme dabei unter anderem die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes.

Der Terrorverdächtige Anis Amri war in der Nacht auf Freitag nach mehrtägiger Flucht in einem Mailänder Vorort in eine Polizeikontrolle geraten. Nachdem Amri das Feuer eröffnete, erschoss ihn einer der beiden Polizisten. Der zweite Beamte wurde bei der Schießerei an der Schulter verletzt.

Bei den Ermittlungen über den Fluchtweg des Tunesiers Anis Amri nach dem Anschlag in Berlin hat sich nach Angaben aus Sicherheitskreisen unterdessen bestätigt, dass der Tunesier über die südostfranzösische Stadt Lyon nach Italien reiste.

Auf Bildern von Überwachungskameras sei zu sehen, wie der mutmaßliche Berlin-Attentäter am Nachmittag des 22. Dezember auf einem Bahnsteig in Lyon stand, sagte am Montag eine Quelle aus dem Umfeld der Ermittlungen.

Quelle: Apa/Dpa

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