Weltpolitik

TV-Bilder sollen Giftanschlag auf Kims Halbbruder zeigen

Der mysteriöse Mord am älteren Halbbruder von Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un hat eine diplomatische Krise zwischen Kuala Lumpur und Pjöngjang ausgelöst. Malaysia bestellte am Montag den nordkoreanischen Botschafter ein und berief den eigenen Botschafter aus Pjöngjang zu Konsultationen zurück in seine Heimat.

Bild aus der Überwachungskamera des Flughafens. Kim Jong-nam (M.) spricht mit Flughafenbediensteten und erklärt ihnen, er sei attackiert worden. SN/AP
Bild aus der Überwachungskamera des Flughafens. Kim Jong-nam (M.) spricht mit Flughafenbediensteten und erklärt ihnen, er sei attackiert worden.
Bild aus der Überwachungskamera des Flughafens. Kim Jong-nam wird von einem Sicherheitsmann in Richtung Sanitätsstation begleitet. (rechts, Hintergrund)  SN/AP
Bild aus der Überwachungskamera des Flughafens. Kim Jong-nam wird von einem Sicherheitsmann in Richtung Sanitätsstation begleitet. (rechts, Hintergrund)
Nordkoreas Botschafter sprach zu Journalisten.  SN/APA (AFP)/MANAN VATSYAYANA
Nordkoreas Botschafter sprach zu Journalisten.

Dem nordkoreanischen Botschafter Kang Chol sei erklärt worden, dass seine Anschuldigungen gegen Malaysia "grundlos" seien, teilte das Außenministerium in Kuala Lumpur mit. Kang hatte Malaysia vorgeworfen, mit seinen Ermittlungen zum Tod von Kim Jong-nam in einer Verschwörung mit "feindlichen Mächten" den Ruf Nordkoreas schädigen zu wollen. Daraufhin sei ihm erklärt worden, dass die malaysische Regierung verpflichtet sei, die Umstände des "Todes unter mysteriösen Umständen auf malaysischem Boden" zu ermitteln.

"Im Moment können wir den Ermittlungen der malaysischen Polizei nicht vertrauen", sagte der Botschafter nach seinem 90-minütigen Besuch im Außenamt. Die Todesursache sei noch nicht festgestellt. Pjöngjang lehnt die Obduktion in Malaysia ab und fordert die sofortige Herausgabe der Leiche. Malaysia will die aber erst freigeben, wenn Nordkorea DNA-Proben von Kims Familie bereitstellt.

Nach Angaben aus Südkorea ergaben die malaysischen Ermittlungen, dass Pjöngjang hinter dem Mordanschlag steckt. Der 45-jährige Halbbruder von Nordkoreas Staatschef war am Montag vor einer Woche am Flughafen von Kuala Lumpur ermordet worden. Südkoreanischen Medien zufolge sprühten ihm die Täterinnen Gift ins Gesicht, bevor er an Bord einer Maschine nach Macau gehen wollte.

Südkoreas Regierung hat am Montag den Vorwurf bekräftigt, dass das kommunistische Regime in Pjöngjang hinter dem Tod Kim Jong-nams stecke. Zur Frage nach den Motiven äußerte Verteidigungsminister Han Min-koo laut der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap vor einem Parlamentsausschuss die Vermutung, der Halbbruder könne eine Bedrohung für die Herrschaft Kim Jong-uns dargestellt haben. 

"Der Mord an Kim Jong-nam durch Nordkorea könnte dazu gedient haben, Alternativen zum Regime von Kim Jong-un zu beseitigen", spekulierte demnach Han. Auch könnte Pjöngjang nach außen ein Warnsignal an "Flüchtlinge und Dissidenten" aus dem eigenen Land gesandt haben.   

Vier Verdächtige wurden bereits festgenommen, darunter ein 46-jähriger Nordkoreaner. Mehrere weitere Verdächtige aus Nordkorea werden noch gesucht. Unter den Festgenommenen ist auch eine Indonesierin. Die Behörden ihres Heimatlandes vermuten, dass die 25-Jährige bei dem Attentat "ausgetrickst" worden ist. Die Frau habe glauben sollen, sie nehme an einem Streich für eine Fernsehshow im Stil der "Versteckten Kamera" teil.

Am Montag wurde erstmals ein Überwachungsvideo veröffentlicht, das den eigentlichen Angriff auf den Halbbruder Kims zeigt. Ein japanischer Fernsehsender zeigte die Sequenz, in der sich zwei Frauen Kim nähern. Eine greift ihn von hinten an und drückt ihm mutmaßlich ein Tuch ins Gesicht. Nach dem Angriff wendet sich das Opfer an das Flughafenpersonal und wird in die dortige Klinik gebracht.

Der 45-jährige Kim Jong-nam war der ältere Halbbruder von Nordkoreas Machthaber Kim Jong-un. Beide haben denselben Vater, den früheren Machthaber Kim Jong-il, aber unterschiedliche Mütter. In der nordkoreanischen Herrscherdynastie gab es bereits mehrfach Mordfälle. Kim Jong-nam soll seinem 2013 hingerichteten Onkel Jang Song-thaek nahegestanden sein.

Kim Jong-nam galt lange als möglicher Nachfolger seines Vaters. Offenbar überwarf er sich mit ihm aber nach einem Versuch, 2001 mit gefälschten Papieren nach Japan zu reisen. Seitdem lebte er im Ausland, die meiste Zeit davon in der chinesischen Sonderverwaltungszone Macao.

(Apa/Dpa/Ag.)

Aufgerufen am 24.11.2017 um 10:05 auf https://www.sn.at/politik/weltpolitik/tv-bilder-sollen-giftanschlag-auf-kims-halbbruder-zeigen-71701

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